Brav, solide, preisgünstig: Der 626 hat vor rund dreißig Jahren maßgeblich dazu beigetragen, die Marke Mazda auf dem deutschen Markt zu etablieren. Zeitweise konnte er sogar die Marktführerschaft in seinem Segment erobern. Später ist es eher still geworden um die Mazda-Mittelklasse, dann repräsentiert vom Nachfolger mit der schlichten Ziffer "6". Die Konkurrenz hat schließlich nicht geschlafen, vor allem die in den letzten Jahren bekanntermaßen erstarkten Koreaner haben dem Mazda-Flaggschiff so einiges an Kundenzuspruch abgejagt.
Um sich hinkünftig von den Mitbewerbern abzusetzen, sagt Mazda-Sprecher Jochen Münzinger, stelle man das Design in den Vordergrund. Der neue 6er zeigt sich stark an die Studie "Takeri" angelehnt, die schon auf diversen Automobilausstellungen zur Schau stand. Ein ganz schön scharfes Schnittchen ist nun auch die Serienversion geworden: Sehr muskulös, sehr sportwagenlike sieht sie aus, von "wilden und dynamischen Ausdrucksformen" spricht Chefdesigner Akira Tamatani gar. Den flügelförmigen Kühlergrill rahmen LED-Tagfahrleuchten und Lichtleitringe in den Scheinwerfereinheiten ein, ein gekonntes Zusammenspiel aus Kurven und Kanten begleitet die Ansicht der Seitenlinie, nach hinten fällt sie coupehaft ab.
Auf 4,87 m streckt sich der Mazda6, damit lässt er die meisten seiner Konkurrenten hinter sich. Ungewöhnlicherweise übertrifft er damit auch den Kombi, der ganze sieben Zentimeter kürzer ist. Schon grundsätzlich, sagt Mazda-Deutschland-Geschäftsführer Josef Schmid, solle die neue Mittelklasse doppelt so viele Kunden finden wie der Vorgänger, vor allem aber hofft man, den Anteil der Limousine zu liften: Trug sie bislang nur homöopathisch dosierte fünf Prozent am Gesamtvolumen, könnten es künftig 25 sein.
Nicht ganz so spektakulär fällt das Innenraum-Design aus; bequem geht's im solide verarbeiteten 6er jedoch allemal zu. Straff gepolstert, aber komfortabel die Sitze, auch hinten braucht keiner über mangelnde Beinfreiheit zu klagen, das Dach hingegen rückt größer gewachsenen Fond-Passagieren schon relativ nah ans Haupthaar. Die Bedienung erfolgt intuitiv, allerdings ist der Touchscreen am Armaturenträger etwas klein geraten, zieht man die fast schon Tablet-Dimensionen erreichenden Monitore manches Konkurrenten als Vergleichsmaßstab heran.
Fürs Gepäck stehen in der Limousine 489 bis 1961 l bereit, beim Kombi sind's 522 bis 1664. Schön: Die Laderaumabdeckung schwingt beim Öffnen der Heckklappe mit nach oben; alternativ kann sie entfernt und in einem speziellen Fach unterm Ladeboden verstaut werden.
Wenn Mazda den 6er am 2. Februar zum Kunden schickt (Bestellungen werden schon ab dem 19. November entgegengenommen), dann wird die Preisliste fünf verschiedene Motoren ausweisen, drei Benziner und zwei Diesel, allesamt der so genannten "Skyactiv"-Spritspartechnologie folgend. An der Basis arbeitet ein Zweiliter-Benziner mit 145 PS (Spitze 208 km/h, Verbrauch 5,5 l/100 km), von ihm gibt es noch eine Leistungsstufe mit 165 PS (216 km/h, 6,0 l/100 km), beide, sagt Mazda, seien die am höchsten verdichteten (14:1) Serien-Benziner. Das maximale Drehmoment liegt jeweils bei 210 Nm. Die Pole-Position unter den Benzinern nimmt die 2,5-l-Maschine mit 192 PS ein (256 Nm, Spitze 223 km/h, Verbrauch 6,3 l/100 km). Diesel-Kunden können sich bei einem 2,2-l-Selbstzünder bedienen, 150 PS (380 Nm, 204 km/h, 3,9 l/100 km) oder 175 PS (420 Nm, 216 km/h, 4,5 l/100 km) stark.
Was die beiden Diesel serienmäßig an Bord haben, bringen der mittlere und der große Benziner als Extra mit: Das so genannte "i-Eloop"-System, das - vereinfacht erklärt - die beim Bremsen entstehende Rekuperationsenergie in elektrische umwandelt, diese wiederum in einem Kondensator speichert und letztlich elektrische Verbraucher wie Klimaanlage oder Audiosystem versorgt. Überschüssige Energie wird an die Fahrzeugbatterie weitergereicht.

Als sehr umgänglich erweist sich der Mazda6 im Fahrbetrieb. Die Schaltung arbeitet präzise, die Lenkung direkt, das Handling bereitet Freude, der gebotene Fahrkomfort ebenso - mit der Einschränkung allerdings, dass weder Limousine noch Kombi Querfugen wirklich gut wegstecken. Und: Speziell beim Modell mit 2,5-l-Benziner fielen uns schon ab Tempo 80 vernehmliche Abrollgeräusche auf.
Mit einer Vielzahl von Assistenzsystemen kümmert sich der 6er um die Sicherheit seiner Passagiere. Dazu gehört etwa eine radargestützte Distanzregelung plus "Pre Crash Safety System", das den Fahrer im Ernstfall vor einem Aufprall warnt, zum Bremsen auffordert und dabei unterstützend aktiv wird. Dazu gibt es einen City-Notbremsassistenten, einen Spurwechsel-, Spurhalte- und Fernlichtassistenten.
Dem Basismodell, motorisiert mit dem 2.0-l-Benziner, packt Mazda unter anderem Klimaanlage, Audiosystem, Start-Stopp-System und 17-Zöller mit ein. Das kostet dann 24990 Euro. Für die Limousine - und für den Kombi ebenso.
Ulla Ellmer
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