
Wetten, dass diese drei zu den heißesten Stars von Paris zählen werden? Einerseits ist das Onyx-Trio in edler, mattschwarz-kupferfarbener Tönung vereint, andererseits aber repräsentiert es ganz verschiedene Konzepte individueller Mobilität: Von superstark über stadtgerecht-wendig bis hin zum Antrieb kraft eigener Beinmuskulatur.
Als Chef des Dreigestirns fungiert zweifelsohne das Concept-Car, das Chefdesigner Gilles Vidal mit sichtlichem Stolz präsentiert. Ein flunderflacher, wilder Racer, zweisitzig, mit doppelt gewölbtem, transparentem Dach. Angetrieben von Diesel-Hybrid-Technologie der First-Class-Kategorie: Herzstück ist ein 3,7-l-V8-Mittelmotor, der über Lufteinlässe auf dem Dach gekühlt wird und die Kraft seiner 600 PS via eines sequentiellen Sechsganggetriebes an die Hinterräder schickt. Lithium-Ionen-Akkus speichern während der Bremsphasen Energie und leiten die als zusätzlichen 80-PS-Kick für Überholvorgänge weiter. Um die Bereifung hat sich Michelin gekümmert, vorn ist der Onyx mit Pneus der Größe 275/30 besohlt, hinten mit 345/30. Und was an dem 1100-kg-Leichtgewicht wie Kupfer aussieht, ist tatsächlich welches: Ganz ohne künstlichen Schutz - dass Kotflügel und Türen im Lauf der Zeit eine gewisse Patina ansetzen, hat das Designteam sehr bewusst mit einkalkuliert. Käme es je zu einer Serienfertigung, sagt Gilles Vidal, könnte das Kupfer im Sinne der Gewichtsersparnis quasi als hauchdünner Film aufgesprayt werden.
Eine Leistungsschau soll die sportive Studie also auch materialtechnisch liefern. Rumpf und Karosserieverkleidungen bestehen aus Karbon, der Innenraum ist "als weicher, natürlicher Kontrast zur coolen Karosserie" (Vidal) mit feinstem Filz ausgekleidet, für die Armaturentafel wurden zu holzähnlichem "Newspaper Wood" verarbeitete Altzeitungen verwendet, an manchen Stellen lassen sich sogar noch die einst gedruckten Lettern erkennen. Ein mundgeblasenes Kristallelement übernimmt schließlich die Funktion eines Duftspenders.
Profanes wie einen Rückspiegel haben die Zukunftsvisionäre längst in der Abteilung für Museumsreifes abgelegt, im Onyx blicken Kameras zurück. Ein weiteres elektronisches Auge sitzt zwischen den Rücksitzlehnen und hält Landschaft plus Innenraum fest. Wer mag, kann sich den Film anschließend auf einem iPad am Armaturenträger ansehen, das außerdem als Bedienelement fürs Infotainmentsystem fungiert.
So was hat das nächste Mitglied der Onyx-Familie zwar nicht zu bieten. Ein tolles Teil ist der dreirädrige Roller aber allemal, und wer den schwirrenden Scooter-Dschungel von Paris einmal kennengelernt hat, der weiß, woher die Inspiration für ein solches Konzept kommt. Wie sein automobiler Vorzeigebruder zählt auch das Onyx-Trike zur Spezies der Hybriden, es lässt sich zum Aufladen sogar an der Steckdose anschließen. Das Zweigespann aus 400-ccm-Verbrennungs- und Elektromotor addiert sich zu einer Gesamtsystemleistung von 61 PS, genug für eine Spitze von 150 km/h. Durst? Nur wenig ausgeprägt: Zwei Liter pro 100 km sollen reichen. Und die Reichweite: 30 bis 50 Kilometer im emissionsfrei-elektrischen ZEV-Modus, 500 Kilometer im kombinierten Betrieb. Damit käme man dann schon von Paris nach Frankfurt. Sobald die Stadtgrenzen überwunden sind und die Freiheit der Nationalstraßen lockt, kann der Onyx-Pilot sein Dreirad ummodeln: Sieht der Stadtmodus eine klassische Roller-Sitzposition vor, ist's im Sportmodus eine dynamisch nach vorn gebeugte - voilà, das hat dann schon was von Motorrad!
Auf dem Onyx-Fahrrad schließlich ist der Fahrer sein eigener Motor. Selten schien der gute, alte Begriff des Drahtesels weniger angebracht als für dieses HighTech-Zweirad: Federleichter, selbsttragender Karbonrahmen, vollständig integrierte Kabel und Bremsen, ein Akku, der ein futuristisch-tragflächenartiges Bedienteil mit "Saft" versorgt, in dem Gang- und Bremshebel sowie ein Radcomputer sitzen.
Stark, dieses Trio. Allerdings: Den Weg vom Messestand hinaus in die große, weite Welt des realen Verkehrs dürfte keiner von ihnen finden. Der Krise muss Peugeot mit zivileren Gefährten die Stirn bieten - wobei Inspirationen durchaus erlaubt sind. Und erwünscht sowieso.
Ulla Ellmer
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