Laurens Van Den Acker kann nicht nur auf berufliche Stationen bei Audi oder, zuletzt, bei Mazda zurückblicken. Auch für Ford ist Renaults Chefdesigner schon tätig gewesen. Und nicht zuletzt aus dieser US-Zeit wird der 47-jährige wissen, weshalb er die Metapher aus dem Sportlichen bemüht: Ganz grob gesagt, entspricht ein Homerun beim Baseball so etwas wie einem Volltreffer.
Dass die vierte Generation des Clio beim Kunden ins Schwarze trifft, ist dringend erwünscht. Waren die ersten beiden Vertreter noch richtige Erfolgsgeschichten, sind die Verkaufszahlen für Nummer Drei schon zurückgegangen. "Mehr Konkurrenz", sagt die in Deutschland zuständige Marketingleiterin Nadine Belting unter anderem mit Hinblick auf die kleinen Koreaner oder einen verbesserten Toyota Yaris, die sich mittlerweile in dem umkämpften Marktsegment bewegen.
Was dem neuen Clio schon vor den ersten Probekilometern zuzubilligen ist: Er sieht in der Tat viel besser aus als der Vorgänger. Breite Spur, muskulöse Formen, dynamische Silhouette. "Das deutsche Design ist kalt, das italienische heiß, unseres soll warm sein", erklärt Van Den Acker. "Menschlich, aber dennoch funktionell". Grundsätzlich wird der Clio als Fünftürer ausgeliefert; dank des Kniffes, die Griffe der Fondtüren zu "verstecken", tritt er optisch aber eher als sportlich-coupéhafter Dreitürer auf.

Ganz im Trend liegt der Neue mit seinen verschiedenen Personalisierungsmöglichkeiten: Verschiedene Dachaufkleber, Dekorelemente für das Exterieur, "Look"-Pakete, die das Interieur in diverse Farb- und Grafikkombinationen kleiden. Nicht minder nachgefragt, gerade bei den begehrten jungen Kunden: Multimediasysteme. Zum Einstieg gibt's schon "Media-Nav", u. a. mit Sieben-Zoll-Touchscreen, 4x20-Watt-Audioanlage, Bluetooth-Schnittstelle, USB-Anschluss und Navi; später folgt das noch aufwändigere "R-Link" mit Online-Anbindung.
Dass der Clio längst aus dem Kleinwagen-Status herausgewachsen ist, belegt die Sitzprobe. Das Platzangebot kann sich im Konkurrenzumfeld sehen lassen, Gleiches gilt für das Kofferraumvolumen (300 bis 1146 l). Die Verarbeitung wirkt wertig, das Gestühl bequem, die Klavierlack-Applikationen der höheren Ausstattungsvarianten sehen edel aus. Erwachsen auch das Fahrverhalten: Der 4,06 m lange Franzose bewegt sich gelassen, souverän und komfortbewusst.
Zum Verkaufsstart werden Kunden unter vier Motorisierungen wählen können; zwei stehen auf der Benziner-, zwei auf der Dieselseite. Zur ersten Kategorie zählt als Basismotor der 74 PS starke Vierzylinder (ab 12800 Euro); mit besonderem Stolz verweist Renault indes auf den neuen 0,9-l-Dreizylinder-Turbo (ab 14400 Euro) mit 90 PS und dessen Sparqualitäten. Als Verbrauchsschnitt gibt man 4,5 l/100 km an; die konnten wir indes nicht ganz erreichen, der Bordcomputer zeigte auf ersten Probefahrten 6,3 l an. Ein Ausbund an Spritzigkeit ist dieser Dreizylinder nicht, man sollte schon Freude am Schalten haben, um ihn bei Laune zu halten; unterm Strich aber gibt er sich ausreichend leistungsstark, damit alltagskonform und vor allem leise.
Was das preissensible Segment des Clio betrifft, so sei "Deutschland ein sehr benziner-affiner Markt", wie Nadine Belting sagt. Die 1,5-l-Dieselaggregate dürften folglich eher eine periphere Rolle spielen. Auch hier fährt Renault zweigleisig, zum einen mit dem dci 75 (75 PS, ab 14900 Euro), zum andern mit dem dCi 90 (90 PS, in höherwertiger "Dynamique"-Ausstattung ab 18100 Euro). Im Vergleich zum Dreizylinder-Benziner wirkt dieses Aggregat durchaus kultivierter und durchzugsstärker, der Normverbrauch liegt bei 3,6 l/100 km, unser Praxiswert belief sich auf 5,3 l.

Die für den Dreizylinder verfügbare "Eco-Drive"-Version mit rollwiderstandspotimierten Reifen, längerer Getriebeübersetzung und - der Aerodynamik wegen - elektronisch geregelter Kühlerjalousie optimiert den Spritverbrauch um ein weiteres; ebenso die optionale Eco-Mode-Taste, die Lebensfunktionen wie Motorleistung, Drehmoment und die Leistung der Klimaanlage drosselt.
Dass Renault mit einem niedrigeren Einstiegspreis als beim Vorgänger wirbt, ist auf den verbesserte Ausstattungsumfang der Basisversion "Expression" zurückzuführen. Fünf Türen gehören beispielsweise dazu, ein Tempomat, Berganfahrhilfe und ein schlüsselloses Startsystem.
Am Clio darf bzw. durfte sich Laurens Van Den Acker übrigens noch ausgiebig betätigen. Ein Cabriolet wird zwar nicht kommen. Dafür aber die Sportversion RS sowie der Kombi Grandtour (beide im April) - und außerdem ein schicker kleiner Crossover-Mix aus Kombi und SUV.
Ulla Ellmer
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<-- dito - Jetzt bin ich aber sowas von Roter Teufel
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Frank996S
- 23.05.13, 20:25 - 6 mal gelesen
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