"Brutal", sagt Stephen Odell, "brutal" seien die "derzeit in Europa herrschenden wirtschaftlichen Bedingungen". Er muss es wissen: Als Europachef von Ford hat er tagtäglich mit der Mühsal zu tun, welche die Schuldenkrise den Automobilherstellern im Augenblick beschert. Gerade die für Ford wichtigen südländischen Märkte wie Italien, Spanien oder Griechenland brechen weg. Und in Deutschland steht ein Händler aus dem Nordhessischen wohl nicht alleine, der angesichts der aktuellen Situation lapidar feststellt: "Lustig ist was anderes".
Unverdrossen verbreitet die Konzernspitze dennoch Aufbruchstimmung. Europa würde wiederauferstehen, meint Odell, inklusive des boomenden Russlands sei für die kommenden Jahre sogar ein Wachstum um 20 Prozent zu erwarten. Und auch der Ford-Chef höchstselbst, Alan Mulally, spricht von den "beträchtlichen Möglichkeiten für profitables Wachstum", die sich auf dieser Seite des Atlantiks böten. Dafür will Ford gerüstet sein: "Wir bereiten die vielleicht aggressivste Produktoffensive vor, die wir in Europa je hatten", sagt Odell kampfeslustig.
Für deutsche Kunden dürften vor allem diese Neuheiten von Interesse sein:
Ford Fiesta: Dem meistverkauften Kleinwagen Europas spendiert man ein umfangreiches Facelift. An der Front trägt die renovierte Version das neue Ford-Markengesicht. Was dem Mondeo (siehe unten) bestens steht, überzeugt am Fiesta allerdings nicht ganz so sehr. Etwas unproportioniert wirkt der voluminöse Kühlergrill, der dem kleinen Kompakten zudem eine etwas beleidigte Miene verleiht. Zur Motorenpalette gehört unter anderem der hochgelobte, sparsame 1,0-l-Ecoboost mit drei Zylindern. Optional zu ordern ist beispielsweise eine Rückfahrkamera, aber auch Fords neues Konnektivitätssystem "Sync", das die Steuerung wichtiger Fahrzeugfunktionen wie Telefon, Klimaanlage, Audio- und Navi per Sprachbefehl erlaubt und eine automatische Notruffunktion beinhaltet. Für "happier parents" soll der programmierbare Autoschlüssel "MyKey" sorgen, der im Fiesta erstmals angeboten wird. Glücklichere Eltern, da sorgenfreier, was den Fahranfänger-Nachwuchs betrifft: Über "MyKey" lassen sich etwa Höchstgeschwindigkeit und Radiolautstärke begrenzen.
Versierteren Piloten dient Ford den Fiesta ST an. Das sportliche, dreitürige Topmodell der Baureihe wird von einem 182 PS starken 1,6-l-Turbo befeuert, gut für den Null-auf-Hundert-Sprint binnen 6,9 Sekunden. Bestellbar ist der neue Fiesta schon ab diesem Herbst, die Auslieferung erfolgt allerdings erst im ersten Quartal 2013.

Ford Mondeo: Man war sich nicht so ganz sicher, ob Ford den auf der letzten Detroit Motor Show vorgestellten "Fusion" tatsächlich eins-zu-eins in den Mondeo übersetzen würde. Sie haben's getan, und das ist gut so! Die neue Mittelklasse für Europa ist ein aufregendes, mutiges, attraktives Fahrzeug geworden, das - im Unterschied zu den USA - bei uns nicht nur als Stufenheck, sondern auch als Fließheck, als Kombi "Turnier", mit adaptiven LED-Scheinwerfern und mit Allradantrieb angeboten wird. "Ein erschwingliches Premiumfahrzeug", wie Raj Nair, Vizepräsident Produktentwickung, verspricht. Neben diversen Benzin- (Stichwort "Ecoboost") und Dieselvarianten wird auch eine Hybridversion zur Produktpalette gehören. Ein Novum sind die aufblasbaren Sicherheitsgurte für die Fondpassagiere. Der Verkaufstart musste allerdings etwas nach hinten verschoben werden, in der zweiten Hälfte 2013 soll es so weit sein. Möglicherweise gibt es zu einem späteren Zeitpunkt sogar ein Revival des legendären Ford Capri: Dieser Name könnte eine Coupévariante des Mondeo schmücken. Es gebe zumindest "sehr deutliche Anzeichen" dafür, meint Ford-Sprecher Isfried Hennen.

Ford EcoSport: SUVs sind jenes Fahrzeugsegment, das derzeit am schnellsten wächst. Neben dem Kuga schiebt Ford zwei weitere Modelle dieser Art in die Showrooms: Zum einen den "Edge" - einen größeren Premium-Crossover, der bereits auf anderen Märkten wie Nordamerika läuft. Weil aber "das wahre Wachstum bei den Kleinen liegt" (Jim Farley, Vizepräsident Marketing und Verkauf) positioniert man vor allem den EcoSport in Europa. Das ist ein auf der Fiesta-Plattform basierendes, 4,24 m kurzes, robust gestyltes SUV, dessen erste Generation bereits in Brasilien auf der Straße fährt, und das eigentlich nur auf den künftigen Opel Mokka bzw. dessen baugleichen Bruder Buick Encore als Konkurrenten trifft. Kennzeichen sind die wuchtige Front und das Reserverad an der seitlich aufschwingenden Hecktür. Auch der EcoSport wird unter anderem in den Genuss des Einliter-Ecoboost (100 und 125 PS) kommen, ebenso wird ein 1,5-l-Diesel zum motorseitigen Angebot zählen. Bis zum Verkaufsstart dürften allerdings noch rund 18 Monate ins Land ziehen.

Ein weiterer Eckpfeil der Produktoffensive wird der Tourneo Courier als Konkurrent für Mini-Transporter á la Citroen Berlingo oder Renault Kangoo sein. Und der Mustang! War die amerikanische Sportwagen-Ikone bislang für ihre europäischen Fans nur über spezialisierte Importeure zu beziehen, wird sie (was letzteren nicht gefallen kann) hinkünftig auch direkt beim Ford-Händler verkauft.
Ulla Ellmer
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