Zwar gibt Toyota einen noch günstigeren (Norm-)Verbrauchswert an (2,1 Liter Super je 100 km plus 5,2 kWh Strom), doch der lässt sich in der Praxis nur dann erreichen, wenn die Umstände optimal sind und der Fahrer seinen Gasfuß besonders sanft einsetzt. Einfluss auf den Verbrauch kann, abgesehen vom persönlichen Fahrstil und der Beladung, auch das Klimatisieren oder Heizen des Wagens haben. Beides funktioniert natürlich im Prius neuester Bauart bestens. "Der Kunde soll keine Einschränkungen hinnehmen müssen", sagt Ulrich Selzer, Geschäftsführer bei Toyota Deutschland.
Nun ist es aber nicht so, dass es sich beim Prius-Plug-in (dieser Begriff steht für die Ladefähigkeit an einem Stromnetz) um ein gänzlich spaßarmes Automobil handelt. Im Gegenteil. Gerade wenn es um die Beschleunigung geht, kann der mit 136 PS Systemleistung gestärkte Wagen durchaus überzeugen: Nur 10,8 Sekunden vergehen, dann ist aus dem Stand Tempo 100 erreicht. Und in der Spitze legt das neueste Toyota-Modell immerhin 180 km/h vor. Beim elektrischen Fahren sind dem Geschwindigkeitsrausch jedoch Grenzen gesetzt, denn bei etwa 85 km/h schaltet sich das E-Aggregat ab und der Verbrenner (ein Vierzylinder mit 99 PS) springt an. Das tut er grundsätzlich auch dann, wenn besonders stark beschleunigt wird. Das System entscheidet je nach Leistungsanforderung, welche Art des Antriebs gewählt wird. Prinzipiell kann der Fahrer über Tasten - darunter ein City-Elektromode - wählen, wie er sich fortzubewegen gedenkt. Der Elektromodus kann mithelfen, in urbanen Bereichen besonders emissionsarm zu fahren. Die CO2-Werte für den Prius gibt Toyota übrigens mit 49g bzw. 85 g je km an, je nachdem welche Antriebsart am Arbeiten ist.
Um den Strom zu speichern (elektrisch "getankt" ist übrigens innerhalb von nur 90 Minuten) verwendet Toyota neu konstruierte Lithium-Ionen-Akkus. Einer der Vorteile: die kompakte Baugröße, die den Laderaum (im Vergleich zum normalen Prius) nicht einschränkt. Aber: Die von Toyota genannten 443 Liter Ladevolumen beziehen sich auf "dachhohe Beladung" - ein Maß also, das den Wert letztlich arg schönt. Ansonsten entspricht das Plug-in-Modell dem bekannten Prius Hybrid, wenngleich es auch ein paar kleine äußerliche Veränderungen gibt. Besonders auffällig ist der Unterschied allerdings nicht. Auch innen herrscht das bekannte, vielfach als "etwas lieblos" empfundene Ambiente vor. Das Fahren (Lenkung, Automatikschaltung) gestaltet sich einfach, der Lenker kann die Arbeitsweise des Hybridantriebs über ein großes Display betrachten und erhält umfangreiche Verbrauchsinformationen. Der immerhin 4,48 m lange Wagen wirkt fahrsicher und ausreichend agil, auch an nötigem Komfort mangelt es nicht. Einzige Ausnahme: Der bei starker Beschleunigung immer noch ungewöhnlich geräuschvoll wirkende Verbrennungsmotor.
Die Montage der Lithium-Ionen-Batterien und das Beilegen des Ladekabels lässt sich Toyota mit mindestens 36200 Euro (mit Top-Ausstattung 42500 Euro) bezahlen. Das bedeutet im Vergleich zum rein hybridisierten Prius einen Aufschlag von fast 10000 Euro. Das teilelektrische Fahren will also ordentlich bezahlt sein. Dennoch hält Toyota den Preis für sehr angemessen und verweist dabei explizit auf den Mitkonkurrenten Opel Ampera, der mit knapp 44000 Euro in der Preisliste steht.
Gerhard Windpassinger
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