Klar, er ist teuer, sehr teuer sogar, der neue GL. Und das, obwohl er sich preislich sogar ein wenig günstiger einsortiert als sein Vorgänger. Aber "die S-Klasse unter den Luxus-SUVs" (so bezeichnet Projektleiter Dr. Andreas Zygan sein neuestes Modell) hat eben ihren Preis. Kann aber auch wirklich vieles, ja so ziemlich alles. Beispiele gefällig?
Da wäre zunächst einmal das Platzangebot. Und das reicht, so gewünscht, leicht und locker für sieben Personen. Will heißen: Drei Sitzreihen sind aufgeboten. Fährt man, wie üblich, mit deren zwei, lädt der GL mächtig ein: 680 bis 2300 Liter Kofferraumvolumen gilt es zu befüllen. Alle Insassen sitzen übrigens höchst kommod, an Bewegungsspielraum mangelt es (was angesichts von 5,12 m Länge auch nicht wundert) keinesfalls. Doch mehr noch: Untergebracht ist man wie in einem Luxusliner, oder, besser gesagt, wie in der First-Class. Und so gesehen darf man den GL als die S-Klasse unter den Modellen dieser Art bezeichnen.
Welcher Art denn nun? Streng genommen handelt es sich beim GL um einen SUV, einen sportlichen Geländewagen eben. Nur mit Mega-Maßen. Obwohl: In den USA, wo dieser Mercedes die meisten Kunden findet und obendrein auch noch klarer Marktführer des Segments ist, gilt der GL gar nicht als so riesig. Aber offenbar als hip und top. Kein Wunder, denn seine Fahreigenschaften sind bestens, der Komfort erstklassig. Nicht zu vergessen: Allrad ist auch an Bord. Und in Sachen Geländegängigkeit sollte man dieses Modell keinesfalls unterschätzen.
Bei uns steht der größere Bruder des stark gefragten ML nicht ganz so im Focus des Kundeninteresses. Dabei bietet er sich, ob seiner vielen Vorzüge (dazu zählen nicht nur das Platzangebot und der hohe Fahrkomfort), durchaus als Alternative zu großen Limousinen an. Mit denen hält er auch in Sachen Leistung mit. Angeboten wird einerseits ein bärenstarker und obendrein äußerst kultivierter Diesel (GL 350 Bluetec, sechs Zylinder, 258 PS) und ein flüsterleiser V8-Benziner (GL 500, 435 PS). Vor allem der Diesel beeindruckt, was die Verbrauchs- und Abgaswerte anbelangt: Auf 7,4 l/100 km lautet der Wert des Sprit-Konsums, eingestuft ist der Wagen schon nach der schärfsten Abgasklasse EU6. In seiner Klasse gilt auch der Benziner als vergleichsmäßig genügsam. 11,3 l/100 km muten zwar sehr hoch an, erweisen sich aber im Vergleich mit der internationalen Konkurrenz als ausgesprochen ordentlich. Das gilt auch für die Fahrleistungen. Je nach Aggregat wird in 7,9 bis 4,9 Sekunden von 0-100 km/h beschleunigt, tempomäßig sind 220 bis 250 km/h (abgeregelt) angesagt.
Wem die 435 PS des GL 500 nicht reichen, kann via AMG-Version noch mehr Power unter die Haube packen: 557 PS, das ist ein Statement in dieser Wagenklasse, erreicht werden dabei die bereits oben genannten Top-Fahrwerte. Bei Mercedes weiß man, dass der GL hauptsächlich in Exportmärkten (USA, China, Russland) ein Renner ist, bei uns aber eher ein Schattendasein führt. Das mag auch ein wenig an den Preisen liegen (72471 Euro bis 130305 Euro), möglicherweise aber auch daran, dass man die nun wirklich exzellente Fahrqualität dieses mit vielen Komfort- und Sicherheitsextras lieferbaren Modells unterschätzt.
Gerhard Windpassinger
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