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23.07.2012, 14:00

Facelift für das BMW-Flaggschiff

BMW 7er: Wer ist hier der Chef?

Ob Politik oder Wirtschaft: BMWs Topmodell zählt zu jener elitären Kaste von Fahrzeugen, die von Führungskräften bevorzugt wird. Mit einer Vielzahl neuer Features von der vielsprachigen Befähigung zum Verfassen von E-Mails bis hin zur blitzschnellen Identifikation gefährdeter Personen im nächtlichen Umfeld übernimmt der neue 7er aber viele Management-Aufgaben gleich selbst.

7er BMW
Neuer 7er BMW: Nur verhaltene optische Retuschen. Mehr hat sich unterm Blech getan.
© WerkZoomansicht

Unter den Luxuslinern ist der 7er allerdings nicht der Boss. Zum Leidwesen von BMW hat diese Position mit souveräner Selbstverständlichkeit die Mercedes S-Klasse inne, die zudem im nächsten Jahr komplett neu auf den Markt kommt. Die Münchner haben ihrem Topliner indes nur ein Facelift angedeihen lassen, mit dem er jetzt die zweite Hälfte seines Lebenszyklus angeht. Dennoch zeigt man sich optimistisch, dass aus den weltweit fast 69000 Einheiten, die man im vergangenen Jahr verkauft hat, noch mehr werden. Deutschland, wenngleich aus Statusgründen ein wichtiger Markt, spielt dabei nur eine Nebenrolle. Knapp 50 Prozent der Produktion beispielsweise gehen nach China, wo - ganz im Gegensatz zu den hiesigen Gepflogenheiten - der Chef am liebsten im Fond Platz nimmt. Weil dies auch in vielen anderen Ländern gepflegte Praxis ist, verkauft BMW über 70 Prozent seines Edel-Cruisers als Langversion.

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Vieles verändert und verbessert

"Noch nie hat BMW so viel am 7er geändert und verbessert", sagt Projektmanager Johann Kistler. Da mag man sich zunächst die Augen reiben, denn optisch fallen nur Kennern die Retuschen an der - zugegebenermaßen - nach wie vor zeitgemäß elegant-dynamisch proportionierten Karosserie auf. Neue LED-Hauptscheinwerfer mit schicken Corona-Ringen, die den 7er auch nächtens als solchen kenntlich machen, dazu eine modifizierte BMW-Niere mit neun statt zwölf Streben, ein feines Chromband als Verbindungsglied zwischen den flachen Rückstrahlern in der Heckschürze - ja, das war's dann schon.

Was der 7er wirklich mehr kann, wird erst beim näheren Kennenlernen deutlich. Gegen Aufpreis gibt es jetzt beispielsweise das so genannte "Multifunktionale Instrumentendisplay". Es ersetzt das klassische analoge Kombiinstrument durch vier animierte Rundinstrumente, die dem gewählten Fahrmodus (Comfort, Eco Pro, Sport, Sport Plus) entsprechend eingefärbt werden. Das Nachtsichtgerät wiederum analysiert blitzschnell, ob Personen durch das herannahende Fahrzeug gefährdet sind, gibt optisch und akustisch Alarm und nimmt die erfassten Verkehrsteilnehmer mit einem Lichtkegel ins Visier.

7er BMW
Spardiktat: Die 7er-Modelle, sagt BMW, seien um bis zu 25 Prozent sparsamer geworden.
© WerkZoomansicht

Der 7er lässt sich Mails diktieren

Darüber hinaus intensiviert der 7er seine Fähigkeiten als mobiles Büro. E-Mails lesen während der Fahrt, gar welche verfassen? Das konterkariert selbst die ausgeklügeltesten Sicherheitssysteme aufs Unheilvollste. Abhilfe schafft die Freitextspracherkennung. Via Diktierfunktion nimmt der Münchner Luxusliner Textnachrichten auf, zeigt sie im Display an und liest sie auf Wunsch sogar vor - genauso wie eingegangene Nachrichten. Und wen just hinterm Steuer die ultimative Geschäftsidee trifft, kann sie sogleich konservieren: Aufgenommene Sprachnotizen lassen sich entweder gleich weitermailen oder aber abspeichern und anschließend per USB-Stick aus dem Fahrzeug mitnehmen.

7er BMW Innenraum
Arbeitsplatz: In Deutschland fahren die meisten 7er-Besitzer selbst, anderswo lassen sie sich in aller Regel chauffieren.
© WerkZoomansicht

Spürbar verbessert hat sich der Fahrkomfort. Alle Versionen besitzen jetzt serienmäßig eine Hinterachs-Luftfederung, was wiederum bedeutet, dass sich der 7er selbst zerrüttetem Asphalt in elegant schwebender Nonchalance stellt. Zumutungen geräuschtechnischer Art werden von Akustik-Bodyguards zuverlässig abgewehrt. Und fahrtechnisch benimmt sich der 7er so, wie man's von einem BMW eben erwartet. Dynamisch, handlingstark, kein bisschen sperrig. Wie eine 5,08 bzw. 5,22 Meter lange Limousine fühlt sich das nicht an. Gut gefällt dabei der via Fahrerlebnisschalter anwählbare "Sport"-Modus, der trotz sportiven Benimms noch immer ein elitäres Maß an Komfort bereitstellt.

Deutsche lieben Diesel

Deutsche 7er-Kunden fahren am liebsten Diesel. 83 Prozent gönnen sich die Sechszylinder 730d (258 PS) oder 740d (313 PS), beide unterschreiten mit einem Verbrauchsschnitt von 5,6 bzw. 5,7 l/100 km die CO2-Marke von 150 g/km. Wirklich neu im Programm ist nur der 381 PS starke Twin-Power-Turbo-Reihensechszylinder aus der M-Performance-Riege für den allradgetriebenen 750d xDrive, der sich mit 6,4 l/100 km begnügen soll. Die Hybridvariante braucht's da zum Sparen nicht wirklich, obwohl BMW auch hier Elementares verändert hat. Im ActiveHybrid 7 löst ein TwinPower-Turbo-Reihensechszylinder (320 PS) den bislang installierten Achtzylinder ab; er arbeitet mit einem 55-PS-E-Motor zusammen, damit kommt der Hybride auf einen Durchschnittsverbrauch von 6,8 l.

Spardiktat für die Motorenpalette

Auch die Benziner hat BMW seinem Spardiktat unterworfen; insgesamt, so sagt man, habe sich die Modellpalette ökologisch um bis zu 25 Prozent verbessert. Drei Triebwerke bieten sich an: An der Basis arbeitet der Sechszylinder im 740i (320 PS), drüber angesiedelt findet sich der Achtzylinder 750i mit 450 PS, und als Krone der Schöpfung gilt der Zwölfzylinder 760i, der kräftechnisch ein Potenzial von 544 Pferdestärken nutzt. Letzterer ist übrigens der Einzige, der sich nicht zur Nutzung einer Start-Stopp-Automatik herablässt, alle anderen Versionen greifen serienmäßig darauf zurück - wie auch auf die Achtgang-Automatik, die mit der unauffälligen Perfektion eines englischen Butlers arbeitet.

Dass ein mehr als komfortabel gepolsterter Geldbeutel unablässige Voraussetzung dafür ist, sich in die automobile Gesellschaft eines 7er BMWs zu begeben, bedarf wohl kaum der Erwähnung. Mindestens 74900 Euro kostet das Einstiegsmodell 730d, der günstigste Benziner 740i steht ab 80700 Euro in der Preisliste, der ActiveHybrid7 wird mit 89300 Euro veranschlagt, und Interessenten fürs lange Topmodell 760Li kommen nicht unter 147900 Euro davon.

Ulla Ellmer

7er BMW
Exportschlager: Fast 50 Prozent der 7er-Produktion geht nach China, auch Russland ist ein wichtiger Markt geworden.
© Werk
23.07.12
 
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