
Noch gar nicht lange ist es her, da war Volvo fast ebenso totgesagt wie Saab. Dann aber schmückte der damalige Eigentümer Ford die Braut verkaufsschön, und das chinesische Unternehmen Geely bekam den Zuschlag. Entgegen mancher Unkenrufe fand Volvo unter der Ägide der neuen Herren erstaunlich schnell zurück zu Elan und Erfolg. Jetzt will man auch im lukrativen Marktsegment der Edel-Kompakten ordentlich punkten. Dort tritt der fünftürige V40 an. Einer, der gleich mehrere Modelle beerbt (C30, S40 und den Kombi V50) und der - so formuliert es Volvo-Chef Stefan Jacoby kampfeslustig - "den Premium-Wettbewerbern Kopfschmerzen bereiten" soll.
Designtechnisch hat der V40 schon mal das Zeug dazu. Im Vergleich zum technokratisch-kühl aufgestellten Audi A3 etwa sieht der Schwede mit seiner charakterstarken Front, der athletisch gewölbten Schulterpartie und dem markanten Heck deutlich spannender aus. Auch innen: Note 1A! Die tadellose Verarbeitungsqualität und die skandinavische Coolness des Cockpit-Designs sind zweifellos premium-würdig. Nix Chi-Chi, na ja, bis auf die optionale digitale Instrumenteneinheit vielleicht, deren Layout sich in drei verschiedenen Varianten personalisieren lässt: "Elegance", sanft gelblich beleuchtet; "Eco", mit (logisch!) grünem Hintergrund und Eco-Guide, der optimalen Fahrstil mit einem grünen Lämpchen honoriert; "Performance", rot hinterleuchtet, ein Drehzahlmesser ersetzt hier die Temposkala, stattdessen wird die gefahrene Geschwindigkeit in großen Ziffern angezeigt, außerdem informiert das Panel den Fahrer situativ über die gerade verfügbare Leistung.

Sicherheitstechnisch hat Volvo einen legendär guten Ruf zu verlieren. Entsprechend engagiert ist man bei seinem jüngsten Baby zu Werke gegangen. Fürsorglich sorgt sich der V40 auch um Fußgänger: Ein absolutes Novum ist der serienmäßige "Pedestrian-Airbag". Der sitzt zwischen Motorhaube und Windschutzscheibe und bläst sich im Falle eines Zusammenstoßes blitzschnell zu einem schützenden Polster auf. Ferner an Bord: Ein Knie-Airbag auf der Fahrerseite. Und eine im Sinne der Sicherheit sinnvolle Zusatz-Investition ist das "Fahrerassistenz-Paket Pro" (1980 Euro), zu dem u. a. ein Notbremsassistent mit automatischer Fußgängererkennung (aktiv bis 80 km/h) gehört, ferner der beim Ein- und Ausparken segensreich wirkende Querverkehrs-Warner, ein Totwinkel- und Spurwechselassistent, Übermüdungswarner, ein Fernlichtassistent und Verkehrsschildererkennung. Wer gegen Konkurrenten wie A3 und 1er BMW anfahren will, muss freilich noch mehr draufhaben als Top-Verarbeitung und vorbildliche Sicherheitsfeatures. Er sollte tunlichst auch Fahrdynamiker sein. Und selbst da schlägt sich der V40 richtig gut. Mit gesundem Appetit verfrühstückt er serpentinenreiches Geläuf, verhält sich dabei in entspannter Unaufgeregtheit komfortabel. Alternativ zum serienmäßigen "Dynamik"-Fahrwerk gibt es ein "Sport"-Setup, zehn Millimeter tiefergelegt, mit straffer abgestimmten Federn und Dämpfern, dazu gehört eine elektromechanische Servolenkung, einstellbar in die Modi "City", "Highway" und "Sport".

Volvo schickt den V40 zunächst in fünf modernen Motorisierungsvarianten an den Start. Den Benzinern T3 (150 PS, ab 24680 Euro) und T4 (180 PS, ab 26980 Euro) sowie den Dieseln D2 (115 PS, ab 24980 Euro), D3 (150 PS, ab 26280 Euro) und D4 (177 PS, ab 28980 Euro), alle mit Start-Stopp-System und Bremsenergierückgewinnung ausgestattet. Später wird der besonders leistungsstarke Zweiliter-Fünfzylinder-Turbo mit 245 PS und 40-Nm-Overboost für Beschleunigungsvorgänge nachgereicht. Effizienz-Meister ist erwartungsgemäß der kleine Diesel: Er befähigt zu einer Spitze von 190 km/h und dem Null-auf-Hundert-Sprint binnen 12,3 Sekunden, soll dabei im Schnitt aber 3,6 l sparsam bleiben und nur 94 g/km CO2 emittieren. Ob dem in der Tat so ist, müssen freilich erst ausführlichere Er-Fahrungen zeigen.
Spezielle Öko-Varianten, wie sie andere Hersteller anbieten, mag Volvo übrigens nicht im Programm führen. Man wolle nicht das Signal "dieses Modell ist effizient und dieses nicht" aussenden, so heißt es.
Stilistisch, technisch und nicht zuletzt preislich bringt der V40 die Voraussetzungen mit, um der edlen Konkurrenz dazwischenzufahren. Mal gucken, was der Kunde sagt. Die Skandinavier selbst geben sich jedenfalls erwartungsfroh: Der Neue soll künftig zwanzig Prozent der Volvo-Verkäufe auf seinen Schultern tragen. Muskulös genug sind sie.
Ulla Ellmer
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