Dass der A3 in Sachen Noblesse praktisch aus allen Rohren feuert, hat auch mit der demnächst verschärften Konkurrenzsituation zu tun. Als vor 16 Jahren die erste Modellgeneration zum Kunden rollte, da stand sie als "Premium-Kompakter" noch allein auf weiter Flur. Erst 2004 entsandte BMW mit dem 1er einen Konkurrenten, und Mercedes hat gar bis zu diesem Jahr damit gewartet, die A-Klasse als sportlich-edlen Mitbewerber für das feine bayerische Duo neu zu erfinden.
Zwar gibt sich Audi in Hinblick auf den neuen Wettbewerber selbstbewusst und versäumt es nicht darauf hinzuweisen, dass die Stuttgarter erst einmal Kunden bei der Konkurrenz erobern müssten, während man selbst schon auf einen Käuferstamm aufbauen könne. Vorsichtshalber aber kriegt die dritte A3-Generation zumindest optional so ziemlich alles mit, was auch Oberklasse-Relevanz hat. Feiner ist zur Zeit keiner in dieser Klasse unterwegs: Edle Materialien von Klavierlack bis Leder, ein Bang&Olufsen-Soundsystem taucht den Innenraum in Konzertsaal-Atmosphäre, das Navi nimmt auch handschriftliche Anweisungen entgegen und führt zu Zielen, die der Fahrer via Google ausgewählt hat, das Infotainmentsystem gewährt Internetzugang via W-LAN-Hotspot. Über "Audi connect" werden Community-Dienste wie Facebook und Twitter integriert, Nachrichten bekommt der Fahrer vorgelesen, zum Schreiben stehen vorgefertigte Textbausteine zur Verfügung. An der Front des Neuen strahlen Voll-LED-Scheinwerfer; radargestützt hält er automatisch Abstand zum Vordermann, hilft beim Spurhalten- und Spurwechsel, liest Verkehrszeichen und steuert selbständig in Parklücken rein und wieder raus.
Die Bedienbarkeit gerade des Infotainment-Angebots erfolgt dabei unkomplizierter als bislang. Neu sind schicke kleine Schaltwippen und ein gleichfalls neu gestalteter Dreh-/Drück-Knopf, "Touchwheel" genannt, auf den sich die bereits erwähnten schriftlichen Befehle in Buchstaben- und Ziffernform zeichnen lassen. Und noch was Innovatives: In einer speziellen "Phone Box" in der Mittelarmlehne abgelegt, koppelt sich das Handy ganz unkompliziert mit einer Planar-Antenne, die wiederum eine besonders gute Empfangsleistung gewährt.
Ab August steht der A3 beim Händler, vorerst als Dreitürer, der praktische Fünftürer "Sportback" folgt später im Jahr. Wie es so Stil bei Audi ist, zeigt sich der 4,24 Meter lange Neue komplett "entrundlicht", mit klaren Konturen also, sehr sachlich, sehr technisch, sehr kühl, stilistisch nahtlos in die allgemeingültige (und folglich leider verwechselbare) Formensprache des Modellportfolios integriert. Platz gibt's zumindest für die Vornesitzenden genug, der Zugang in den Fond ist zumindest in der dreitürigen Ära noch eine rechte Kletterei, und das nicht wirklich opulente Kofferraumvolumen (365 l) dokumentiert, wo der A3 seine Prioritäten setzt: Die Form geht vor.
Zunächst gibt es den Premium-Kompakten in drei Motorisierungsvarianten: Einem 1.4 TFSI-Benziner mit 122 PS und knackigem Sechsgang-Schaltgetriebe, Durchschnittsverbrauch 5,2 l/100 km, Preis als Basisversion "Attraction" 22500 Euro. Außerdem einem 1.8 TFSI, verbandelt mit der fabelhaften 7-Gang S tronic, 180 PS, Verbrauchsschnitt 5,6 l, ab 27800 Euro. Schließlich noch einem 2,0-l-Diesel, 150 PS, 4,1 l sparsam, mindestens 26300 Euro teuer. Das ist - natürlich - nicht alles. Im Herbst wird ein 1,4-l-Benziner (140 PS) nachgeschoben, der automatisch zwei Zylinder abschalten kann, was zu einem Normverbrauch von 4,9 l (CO2 117 g/km) führt. Auch in Sachen Diesel steht noch eine Diät an, ein 105-PS-Selbstzünder soll sich auf 3,8 l/100 km beschränken. Für nächstes Jahr ist eine Erdgas-Variante avisiert, 2014 folgt ein Plug-In-Hybride als Teilzeit-Elektriker zum Anstöpseln an die Steckdose. Apropos Diät: Dank diverser Leichtbaumaßnahmen bringt der A3 nun deutlich weniger auf die Waage, der 1.4 TFSI wiegt gerade noch 1175 kg.
Einen Audi zu fahren, das ist - man muss es einfach so sagen - immer eine Freude. Mit sportlicher Entschlossenheit schraubt sich der A3 kurvige Sträßchen hoch, das Fahrwerk (auf Wunsch via "drive select" dreistufig verstellbar) absorbiert souverän, was das Komfortbewusstsein der Besatzung beeinträchtigen könnte, die Lenkung ist ein Musterbeispiel an Präzision und die Geräuschdämmung nicht minder vorbildlich.
Was die Konkurrenz betrifft, so hat der A3 also ein sehr selbstbewusstes Statement geliefert. Wär' er Kölner und nicht Bayer, könnte dieses freilich auch mit "Man muss sich mich auch jönne könne" überschrieben sein. Denn wer den Verlockungen der Aufpreisliste nachgibt, ist ohne viel Mühe in Preisregionen mit einer "5" als erster Ziffer angelangt.
Ulla Ellmer
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