Denn in Verbindung mit dem optionalen Performance Package wuchtet der SL 63 AMG bis zu 900 Newtonmeter auf die Kurbelwelle. Ergebnis: Leistung satt in allen Lebenslagen - pardon, Fahrsituationen. Die serienmäßig verbaute 7-Gang-Automatik, vom Haustuner ebenfalls auf sportliche Reaktionsweise getrimmt, findet stets die optimale Fahrstufe, macht den in normaler Serienausführung eher als kommod empfundenen Wagen vom Gleiter zum Spitzensportler.
So sprintet der neue SL 63 AMG in 4,2 Sekunden von 0-100 km/h. Die Ausführung ohne das Performance Package steht da mit 4,3 Sekunden kaum nach, obwohl sich die Leistung bei diesem - formulieren wir es mal so - AMG-Grundmodell "nur" auf 537 PS beläuft. Beide Varianten legen identisches Spitzentempo vor: 250 km/h. Da wäre mehr drin, doch Mercedes regelt elektronisch ab. Technische Basis beider Varianten: ein 5,5-Liter-V8-Biturbomotor, dem nicht nur höhere Leistungsausbeute, sondern auch bessere Trinksitten anerzogen worden sind. So sank der durchschnittliche Verbrauch zum Vergleichstriebwerk um 30 Prozent, errechnet sich nach Norm nun auf 9,9 Liter je 100 km.
Unvergleichlich gut erscheint freilich nicht nur die Leistung dieses Biturbo-Triebwerks. Freude bereitet auch etwas anderes: Der Sound! Tiefes Grollen, heiseres Fauchen - da ist, sobald man das Gaspedal tiefer durchdrückt, alles dabei. Doch der Motor kann auch flüstern, dann, wenn man das Gaspedal schont und sich aufs Cruisen verlegt. Das macht übrigens dann am meisten Spaß, wenn das feste Blechdach elektrisch zurückgefahren wird und Roadster-bzw. Cabrio-Feeling aufkommt. Ein Wort zum Fahrwerk: Per Elektronik (und davon ist übrigens beim SL reichlich mit an Bord) lassen sich diverse Parameter auf Komfort stellten, dann bleibt der SL 63 AMG zwar immer noch fahraktiv, nimmt aber zumindest Bodenwellen fein federnd. Nur mit Kanaldeckeln und anderen kleinen Unebenheiten hat es der auf breiten Schlappen (19-Zoll, vorne 255/35, hinten 285/30) rollende SL nicht so sehr.
AMG-Chef Ola Källenius sagt im Hinblick auf den neuen SL 63: "Kraft zu liefern, ist nur ein Teil der Story." Er meint damit, dass auch die Materialauswahl (teils Alu, teils Carbon) von Bedeutung ist, dazu die Fahr- und Sicherheitsausstattung sowie die vielen Komfort-Extras, die der Top-SL mit sich bringt. Und deshalb ist leider auch der Preis Teil dieser Story: 157675 Euro sind für das Grundmodell locker zu machen, 14280 Euro kommen noch für das Performance-Paket dazu. Noch nicht stark genug? Noch zu günstig? Kein Problem: In absehbarer Zeit bringt der Mercedes-Haustuner einen neuen Überflieger an den Start, den SL 65 AMG. Mit Zwölfzylindermotor, mit 630 PS und 1000 Newtonmetern Drehmoment. Und mit einem Preis (236000 Euro), der diesen Mercedes zum teuersten (Serien-)Auto Deutschlands macht.
Gerhard Windpassinger
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