
Dass eine solche Premiere ausgerechnet im fernen Reich der Mitte zelebriert wird, ist zum einen als Hommage an den boomenden und gerade für die deutschen Premiumhersteller so wichtigen chinesischen Markt zu verstehen. Andererseits macht es auch durchaus praktischen Sinn, den CLA - der vorerst noch unter dem Arbeitstitel "Concept Style Coupé" läuft - in Peking zu präsentieren. Während die Brot-und-Butter-Version der brandneuen A-Klasse - die Pflicht sozusagen - vor allem europäischen Kunden zugedacht ist, findet die Kür respektive das Schaulaufen der aufregenden Ableger vor allem mit Hinblick auf amerikanische oder eben chinesische Kunden statt.
Gerade in den USA haben sich die Berührungsängste hinsichtlich größentechnisch reduzierter Fortbewegungsmittel nachhaltig verflüchtigt. Viertürige Coupés liegen sowieso im Trend, das ist an den Erfolgen eines Porsche Panamera, Audi A7 oder Mercedes CLS abzulesen, und was letzteres Modell betrifft, so bringt sich der CLA klar als dessen kleiner Bruder in Positur. Mit 4,64 m misst er rund dreißig Längenzentimeter weniger, stilistisch ist er mehr auf Sportlichkeit denn Eleganz gebürstet. Als "expressiv und kraftvoll" bezeichnet Daimler-Chef Dr. Dieter Zetsche das Design des Viersitzers, und in der Tat mutet die Linienführung zumindest der Studie durchaus spektakulär an. Ob sich der spannende Auftritt ins Serienleben hinüberretten lässt, wird sich zeigen müssen. Kaum anzunehmen ist zumindest, dass sich Spielereien wie die im Stand-by-Modus rot leuchtenden Scheinwerfer oder die im La-Ola-Stil nacheinander öffnenden Blinkerklappen wiederfinden werden. Gleiches gilt für die Hinterleuchtung der Belüftungsdüsen: Pustet die Klimaanlagen kühle Luft ins Cockpit, dann leuchten sie blau, weht eine wärmere Brise, ändert sich die Farbe in einen Rotton.

Über ein großflächiges Panoramadach flutet die Studie den Innenraum mit Licht, das Instrumentenboard hüllt sich in weißes Nappaleder, Chromzierteile und Bedienfelder zeigen sich schwarz eloxiert. Das wirkt schon ziemlich cool. Ebenso wie der Umstand, dass der CLA "online" ist. Mercedes setzt in diesem Zusammenhang auf "Cloud"-Computing. Das bedeutet, dass die Software nicht im Fahrzeug gespeichert ist, sondern auf einem Mercedes-Server. Neue Anwendungen müssen daher nicht umständlich in der Werkstatt aktualisiert werden, das funktioniert hinkünftig ganz lässig über das Mobiltelefon.

Die Studie steigt stärker ein, als es das Serienmodell tun wird: Sie trägt einen 211 PS starken Zweiliter-Benziner unter der Haube, schaltet via 7-G-Doppelkupplungsautomatik und bringt ihre Power mittels Allradantrieb auf die Straße. Einer wie der CLA schreit förmlich danach, leistungstechnisch in andere Sphären gepusht zu werden. AMG hat diesen Ruf wohl schon erhört: Der Mercedes Haustuner, so munkelt man, hat eine Variante mit bolidenhaften 350 PS in der Mache. Wiederum genau das, worauf die Kunden in China und den USA mit besonderer Leidenschaft abfahren.
Ulla Ellmer
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