Nicht immer muss es gleich ein SUV sein. Ein bisserl rustikal tut's oft auch schon. Weil so ein in Abenteuerkluft gekleideter Kombi einfach schicker aussieht. Und/oder weil die Geländetechnik souveränen Umgang mit problematischem Terrain verheißt.
Mit dem neuen Passat Alltrack nimmt VW die "allroad quattros" von Audi ins Visier, aber auch die XC-Modelle von Volvo und, irgendwo, den Subaru Forester. Allradantrieb ist dabei nicht obligatorisch; wem die robuste Optik und Offroadausstattung "light" genügen, kann Volkswagens neues Mittelding aus SUV und Variant auch als Fronttriebler ordern.
Dreißig Millimeter mehr Bodenfreiheit, spezielle Stoßfänger, Radhaus- und Schwellerverbreiterungen, dazu Unterfahrschutz an Front und Heck: Das unterscheidet den Alltrack von seinen konventionellen Brüdern. Als Passat zu erkennen ist er hinter solchen Attributen freilich nach wie vor; das gilt vor allem bei dezenter Einfärbung wie beispielsweise in Grau, welche die Offroad-Attribute optisch ein wenig absorbiert.
Sehr gut möglich aber, dass sich die Kunden genau das wünschen: Understatement statt großes Kino. Und der Alltrack dankt es ihnen, indem er sie - anders als beispielsweise ein Cross Golf - auf Sand, Kies oder im Matsch wirklich weiterbringt. Von den "echten" Geländewagen im VW-Programm wie Tiguan oder Touareg hat sich der Robusto unter den Passats das Offroad-Fahrprogramm abgeguckt, das die Fahr- und Assistenzsysteme an die Anforderungen unwegsamen Geländes anpasst. Beispiel: Das ABS "stuckert" in größeren Intervallen, sodass sich vor den Reifen ein Keil aus Schotter oder Schnee aufbauen kann, um den Wagen zusätzlich zu verzögern. Oder: Das Doppelkupplungsgetriebe DSG arbeitet im Gelände feiner dosiert und stellt dem Fahrer automatisch eine höhere Motordrehzahl zur Verfügung. Steht der Schaltknauf in der manuellen Tip-Gasse, schaltet das Getriebe nicht mehr rauf, zudem werden Start-Stopp-Automatik sowie Freilauf deaktiviert. Und: Ab einem Gefälle von zehn Prozent bremst eine Bergabfahrhilfe den Wagen automatisch auf ein bestimmtes Tempo ab, was dem Fahrer gestattet, vertrauensvoll das Bremspedal loszulassen und seinen Alltrack einfach machen zu lassen.
Für den geländegängigsten der Passat-Familie sind vier Motorisierungsvarianten vorgesehen. Zunächst einmal zwei TSI-Benziner, wobei der kleinere (160 PS) ausschließlich front- und der größere (210 PS) nur mit Allradantrieb "4Motion" und dem 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe DSG zu ordern ist. Beim 140-PS-TDI haben Kunden die Wahl zwischen Front- und Allradantrieb, der 170-PS-TDI dagegen ist grundsätzlich allradgetrieben unterwegs. Auf ersten Erprobungsfahrten erwies er sich vor allem in Kombination mit dem punktgenau schaltenden DSG als feine Sache. Bärige Durchzugskraft, feine Laufkultur, gepflegtes Geräuschniveau - das ist schon was! Im Schnitt soll der große TDI nach VW-Angaben 5,8 l verbrauchen, wie sein kleiner Bruder folgt er dem BlueMotion-Prinzip, ist also mit Start-Stopp-System und einem Modus zur Bremsenergierückgewinnung ausgestattet.
Für das frontgetriebene Basismodell 1.8 TSI will VW 33450 Euro sehen, die allradgetriebene Topvariante 2.0 TDI mit 170 PS kostet 40075 Euro. Klingt zunächst nach viel. Aber: Es steckt eine ganze Menge Ausstattung dahinter. Schon beim Einsteiger sind serienmäßig 17-Zoll-Alus, Müdigkeitserkennung, Klimaautomatik, rundum elektrische Fensterheber, elektronische Parkbremse, Radio-CD-System und ein Multifunktionslenkrad an Bord. Abenteuerkluft hin oder her: Auch Komfort soll schließlich sein.
Ulla Ellmer
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