Der e-up! wird Geschichte schreiben. Volkswagen-Geschichte. Irgendwann, in einer fernen Zukunft, wenn man ungläubig zurückblickt auf jene archaischen Zeiten, in denen ein flüssiges Gebräu namens "Benzin" oder "Diesel" in etwas namens "Tank" gegurgelt ist; in jener fernen Vergangenheit mithin, als Autos laut waren und man sie nicht einfach an die Steckdose anstöpseln konnte. Dann werden die Altvorderen ihren Urenkeln davon berichten, dass es einst der kleine up! war, mit dem Volkswagen ins Zeitalter der Elektromobilität gestartet ist. Sogar vor dem e-Golf ist er gekommen, werden sie sagen, ja, damals, im Jahr 2013!
Noch aber ist der e-up! nicht Geschichte, noch ist er Zukunft. Ein Erprobungsfahrzeug steht für uns bereit, noch mit zwei recht labormäßig aussehenden, knallgelben Notknöpfen am Armaturenträger und einer irritierenderweise von einer Zapfsäule dekorierten Reichweitenanzeige. Die neue Technik stecke hier im Kleid des konventionellen up!, erklärt der mitfahrende Versuchsingenieur dazu, das bleibe natürlich nicht so, und auch die 200 km Reichweite seien, klar, nicht ernst zu nehmen. Aber: Bis zu 150 km kriegt er schon hin, der Kleine. Und wie! Der Mini-Stromer geht ab - pardon, up! - wie die Feuerwehr. Dass das komplette Drehmoment von 210 Nm vom Fleck weg zur Verfügung steht, das kennt man von den Elektrifizierten inzwischen. Auch der e-up! saust seinen konventionell motorisierten Mitstreitern nach dem Ampelstart um die Ohren, als hätt' er Super-Plus-Strom intus. Doch danach macht er nicht minder frech weiter. Von null auf 100 in weniger als 14 Sekunden, Spitze 130 km/h, das ist gar nicht schlecht!
Eigentlich muss sich das 82 PS starke E-Triebwerk überhaupt nicht vor dem 75-PS-Dreizylinder verstecken, der schon die stärkere Benzinmotorisierung des up! markiert. Trotz der 250 Kilo Mehrgewicht, die ihm der 18,7-kWh-Lithium-Ionen-Akku auf die Hüften packt, macht das Elektromobil ordentlich was los. Handlingstark agiert es, satt auf der Straße liegend, ambitioniert. Zum "Tanken" muss es für 5,5 Stunden an die Steckdose, im Schnelllademodus ist es nach dreißig Minuten wieder fit.
Man möchte' ihn sich gleich einpacken lassen, den e-up!, wäre er finanziell in vernünftigem Rahmen darstellbar. Genau darüber aber hüllt sich VW im Augenblick noch in Schweigen. Eine Zwei soll vor dem Preis stehen, nur so viel wird verraten. Um das mal perspektivisch einzuordnen: Ein (kleinerer) Elektro-Smart kostet rund 24000 Euro, plus 70 Euro monatlicher Batteriemiete. Auch an den Vertriebswegen tüfteln die Wolfsburger noch, sicher ist, "dass man zum Händler gehen kann" und den e-up! kaufen, parallel dazu dürften allerdings auch Leasingmodelle vorstellbar sein.
Eine klarere Ansage ist da für das allererste up!-Derivat zu treffen, das - technisch freilich weitaus unspektakulärer - auf dem Genfer Automobilsalon im März Premiere feiern wird und ab Mai bestellbar ist. Der praktische Viertürer kostet exakt 475 Euro Aufpreis, das ist nicht viel, bedeutet aber auch Verzicht auf runterfahrbare Scheiben hinten, stattdessen gibt's nur Ausstellfenster. In der zweiten Jahreshälfte 2012 folgt dann die supersaubere Erdgas-Variante, die ihren Namen - "eco-up!" - dem CO2-Wert von nur 79 g/km verdankt. 2013 surrt der Elektro-up! auf die Straße. Desgleichen der in abenteuerlustige Offroad-Optik gekleidete "cross-up!". Und noch einer: Der sportliche up! GT, mit 110 Pferdestärken unterm Blech, die dem 960-kg-Leichtgewicht eine Spitze von 195 km/h bescheren. Einer, um den sich Volkswagens Entwicklungschef Dr. Ulrich Hackenberg derzeit mit seiner Familie streiten muss...
Ulla Ellmer
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