Im Fahrbericht: Offener E 300 mit 245 PS

Mercedes E-Klasse Cabrio: Stern unter der Sonne

Fahrberichte - 07.08. 08:17

Sommer, Sonne, flirrende Luft: Es sind Tage wie diese, an denen man sich ein Cabriolet wünscht. Die meisten Volumenhersteller haben ihr offenes Angebot zwar aussortiert. Doch auf die Premiummarken ist Verlass. Mercedes hat gleich sechs Cabrios und Roadster mit Stern zu bieten, unter anderem die luftige Version der E-Klasse. Hier fährt der elegante E 300 mit 245 PS starkem Vierzylinder-Benziner vor.

Mercedes E 300 Cabriolet: Die luftige E-Klasse gehört zu den elegantesten Möglichkeiten, offen zu fahren. © Hersteller

Wie er aussieht: Die Bezeichnung "Luftikus" erscheint unangemessen despektierlich für den 4,83 Meter langen, zweitürigen Luxus-Cruiser. Diamant-Kühlergrill, die elegante Silhouette des E-Klasse-Coupés, feine Farbkombinationen wie die aus sandgoldenem Lack und dunkelblauem Akustikverdeck - das hat schon was. Kein Stahlklappdach also, das die schönen Formen ruinieren würde, sondern eine klassische, dick wind- und wetterfest gefütterte Stoffkapuze, die sich lautlos in der dafür vorgesehenen Kofferraumwanne zusammenfaltet. Das Spektakel des Öffnens bzw. Schließens nimmt nur 20 Sekunden in Anspruch und funktioniert bis Tempo 50.

Wie er eingerichtet ist: Ebenfalls ungemein elegant. Man kann viel Geld lassen fürs Interieur, für helles Leder beispielsweise, feine Hölzer oder die volldigitale Landschaft des Widescreen-Cockpits. Und weil der Jahresverlauf nicht nur heiße Sommertage vorsieht, ist das Edel-Cabrio auch für unerquicklichere Wetterlagen gerüstet. Neben der Sitzheizung bilden Nackenfön (Airscarf), Windschott und Aircap (beide elektrisch ausfahrbar, der Aircap ein ästhetisch eher unbefriedigender Spoiler am Windschutzscheibenrahmen) eine Phalanx gegen Turbulenzen. All diese Extras sind allerdings aufpreispflichtig.

Helles Leder, feine Hölzer, Widescreen-Cockpit: Für solch edles Interieur kann man viel Geld lassen. © Hersteller

Wie viel Platz er hat: Das E-Klasse-Cabriolet ist ein Viersitzer, und das nicht nur für die Not, denn im Fond geht es raumtechnisch erstaunlich geräumig zu. Der Zustieg nach hinten erweist sich aber vor allem bei geschlossenem Verdeck als rechte Kletterei, und das Öffnen der langen Türen bereitet in engen Parklücken keine Freude. Wenn das Verdeck im Gepäckabteil verharrt, schrumpft dieses von 385 auf 310 Liter. Ein noch immer reisetaugliches Maß und ausreichend, um zwei Klappboxen mit Einkäufen unterzubringen. Praktischerweise lassen sich zudem die Rücksitzlehnen umklappen, außerdem gibt es eine Durchlademöglichkeit.

Was ihn antreibt: Der Zweiliter-Benziner im E 300 leistet 245 PS, agiert kultiviert, geschmeidig und durchaus agil, ohne das immerhin 1,8 Tonnen schwere Cabrio zum sportlichen Überflieger zu machen. Cruiser statt Racer, so soll es aber auch sein. Seine Vierzylinder-Identität verbirgt der Motor recht erfolgreich hinter einer kultiviert-zurückhaltenden Geräuschkulisse. Serienmäßig und gekonnt sortiert eine 9-Gang-Automatik die Gänge.

Gut behütet: Mercedes setzt dem E-Klasse-Cabriolet ein dick gefüttertes Akustik-Stoffverdeck auf. © Hersteller

Wie er sich fährt: Auf waschbrettartig strukturiertem Asphalt erreicht das Cabrio nicht die seidigen Nehmerqualitäten des geschlossenen Pendants. Für ein offenes Automobil erreicht der E 300 aber ein tolles Maß an Komfort, souverän beherrscht er auch die Kurvenkünste. Etwas nervig: Der beim Touchieren der Mittellinie sehr bestimmt eingreifende und abbremsende Spurhalteassistent.

Von den baulichen Maßnahmen gegen Turbulenzen im Fahrgastraum war bereits die Rede. Sie funktionieren recht gut, dennoch wirbelt der Fahrtwind schon noch spürbar durch die Frisur. Aber wozu hat man schließlich ein Cabriolet?

Was er verbraucht: Nach Norm 7,9 l/100 km, im Test 8,2 l. Dank Ottopartikelfilter wird der Schadstoffnorm Euro 6d-Temp Genüge getan.

Vogelperspektive: Das E-Klasse-Cabriolet bietet Platz für vier Personen. © Hersteller

Was er bietet: Der E 300 ist serienmäßig unter anderem mit LED-High-Performance-Scheinwerfern ausgestattet, ferner gehören Scheibenwischer mit Regensensor, die im Verhältnis 50:50 teilbaren und umklappbaren Fondsitzlehnen, Klimatisierungsautomatik sowie Assistenzsysteme wie Müdigkeitswarner, Bremsassistent und Pre-Safe-Insassenschutz zum Lieferumfang, ebenso wie ein Multimediasystem mit Touch-Control-Buttons am Lenkrad, Sprachbedienung, Bluetooth-Freisprechen und 8,4-Zoll-Display. Auch das Dynamik-Select-Fahrwerk mit fünf Fahrprogrammen und die 9-G-Automatik sind obligatorisch. Sehr vieles kostet aber Aufpreis, die adaptive Luftfederung, das Digitalradio oder das Fahrerassistenzsystem sind da nur eine kleine Auswahl.

Was er kostet: Ab 60.393 Euro.

Was wir meinen: Mit dem Mercedes E 300 als elegantem Sternenkreuzer durch den Sommer zu cruisen ist fraglos ein wunderbares Unterfangen, zumal das dick gefütterte Verdeck auch dem Winter seinen Schrecken nimmt. Allerdings kommen die luftigen Freuden teuer - sehr teuer. Bei den genannten 60.393 Euro bleibt es ja nicht, und die zahllos angebotenen Extras machen es einfach, noch weitere 20.000 Euro draufzupacken. Dass selbst Sitzheizung und Windschott extra kosten, ist in dieser Preisklasse schon, nun ja, bemerkenswert.

Ulla Ellmer

Die Daten des Mercedes E 300 Cabriolets

Hubraum 1991 ccm, Zylinder 4, Leistung 180 kW/245 PS bei 5.500/min, max. Drehmoment 370 Nm bei 1.300 – 4.000/min, Spitze 250 km/h, Beschleunigung 0 auf 100 km/h in 6,6 sec, Normverbrauch innerorts 10,0, außerorts 6,7, kombiniert 7,9 l S pro 100 km, Testverbrauch 8,2 l S/100 km, CO2-Emission 181 g/km, Schadstoffklasse Euro 6d-Temp, Energie-Effizienzklasse D, Länge 4,83 m, Breite 1,86 m, Höhe 1,43 m, Kofferraum 310 (offenes Verdeck) bis 385 l, Leergewicht 1795 kg, zulässiges Gesamtgewicht 2.280 kg, Zuladung 485 kg, Anhängelast 750 kg (ungebremst), 1.800 kg (gebremst). Tankinhalt 66 l. 9-G-Automatik, Heckantrieb. Versicherungs-Typklassen 16 (HP), 24 (TK), 25 (VK). Preis ab 60.393 Euro.