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03.11.2017, 15:18

Renault Zoe im Fahrbericht

Elektrischer Alltag? Geht doch!

Ist es für ein E-Mobil ein Kompliment, wenn man sagt, dass es sich von einem ganz normalen Auto kaum unterscheidet? Wir finden: Ja! Denn es zeigt, dass die Stromer allmählich im Alltag angekommen sind. Mit dem erschwinglichen und reichweitenstarken Renault Zoe funktioniert das tagtägliche Miteinander überraschend gut. Zumindest befreit der Franzose seinen Nutzer von manchen Ängsten.

Renault Zoe
Hängt am Netz: An der 11-kW-Wallbox ist der Ladevorgang des Renault Zoe in viereinhalb Stunden abgeschlossen.
© Hersteller

Wie er aussieht: Das hatten wir zwar schon, aber trotzdem: Wie ein ganz normales Auto. Der Zoe ist kein Derivat eines bereits existenten Renault-Modells, sondern führt ein stilistisches Eigenleben, ganz wie der BMW i3, aber in weniger auffälliger Form. Modern ja, spacig nein. Mit 4,09 Metern Länge bewegt sich der fünftürige Franzose in der Größenordnung eines Renault Clio oder VW Polo, Kleinwagen also. Im Innenraum geht es keineswegs spartanisch zu, auf Wunsch kombiniert der Zoe seine einfachen Kunststoffoberflächen sogar mit Lederausstattung, immer offeriert er ein modernes Infotainment mit großem Bildschirm.

Wie viel Platz er hat: Sowohl im fünfsitzigen Passagierbereich als auch im Kofferraum (338 bis 1225 Liter) herrschen die klassenüblichen räumlichen Verhältnisse vor. Die Rücksitzlehne lässt sich umlegen, aber nur einteilig. Der Akku ist platzsparend im Wagenboden untergebracht.

Renault Zoe Innenraum
Gut vernetzt: Das Online-Infotainment und Navi sind schon im Basismodell "Life" serienmäßig.
© HerstellerZoomansicht

Was er leistet: Den Zoe gibt es in zwei Ausbaustufen, einmal mit 22-kWh-Batterie und einmal - wie in unserem Fall - mit stärkeren 41 kWh. Der Elektromotor erbringt eine Maximalleistung von 92 PS und ein Drehmoment von 220 Nm. Damit bereitet der Zoe das für Elektroautos typische Vergnügen flotter Ampelstarts. Auf der Autobahn rennt der Stromer 135 km/h schnell. Das reicht aus, zehrt aber an der Reichweite.

Wie er sich fährt: Agil und komfortabel, nur auf stärker vernarbtem Untergrund federt er etwas rüder ab. Bei niedrigem Tempo geht es schön leise zu im Innenraum, erst ab etwa 50 km/h bekommen es die Insassen durch Wind- und Abrollgeräusche mit einer Geräuschkulisse zu tun, die der eines konventionellen Autos ähnelt.

Wie weit er kommt: Die große Frage bei jedem Elektroauto. Der 41-kWh-Zoe bringt es auf eine stattliche Reichweite von 400 km. Allerdings nur auf dem Papier. Wir waren mit dem Zoe im noch sommerlich optimalen Temperaturbereich von 20 bis 25 Grad unterwegs, mehr als 290 km stellte er uns da nicht in Aussicht. Doch auch das ist eine echte Nummer, mit der sich schon richtig viel anfangen lässt. Vor allem im Stadtverkehr schmilzt die Reichweite erstaunlich zögerlich dahin. Das hat auch damit zu tun, dass der Zoe seinen Fahrer erzieht. Vor roten Ampeln bremst man nicht, sondern lässt den Wagen sanft ausrollen und sieht beglückt zu, wie durch Rekuperieren der Aktionsradius wieder zunimmt. Das führt dann dazu, dass beispielsweise 15 Kilometer zurückgelegt werden, aber nur zwölf an Reichweite verlorengehen. Dabei braucht gar nicht mal der Eco-Modus bemüht werden.

Renault Zoe
Kommt weit: Mit 41-kW/h-Akku schafft der Zoe nominell 400, in der Praxis rund 290 km Reichweite.
© HerstellerZoomansicht

Sukzessive verlassen uns also Reichweitenangst und das diffuse Gefühl, den Zoe bei jeder sich bietenden Gelegenheit an die Steckdose hängen zu müssen. Mutig geworden, beschließen wir eine Autobahnfahrt, von Nürnberg über die A9 nach Ingolstadt und zurück, insgesamt rund 180 km. Das klappt tatsächlich locker und lässt sogar noch Akkuladung übrig, solange man verhalten mit Tempo 80 bis 100 fährt und nicht die erwähnte Spitze von 135 km/h ausreizt. Trotzdem geht es hier bedeutend schneller bergab mit der Reichweite, schon allein, weil die innerörtlichen Rekuperationsphasen fehlen. Als Reisemobil ist der Zoe nicht gedacht. Und doch ist es gut zu wissen, dass längere Strecken zumindest machbar sind.

Wie lange er lädt: Große Batterie, lange Ladezeit: An der haushaltsüblichen Schuko-Steckdose (14 A) braucht der Zoe 16 Stunden, bis er wieder voll aufgeladen ist. Die Nacht reicht also nicht. Es empfiehlt sich daher die Investition in eine Wallbox (zum Beispiel 11 kW, 1639 Euro), an der der Ladevorgang in viereinhalb Stunden abgeschlossen ist. Am zügigsten - 1 Stunde und 45 Minuten auf 80 Prozent - geht's an der 22-kW-Station mit 400 Volt Drehstrom. Wie das mit öffentlichen Ladesäulen aber so ist, sind sie häufig belegt, nicht selten Tag für Tag vom gleichen Fahrzeug. Offensichtlich muss es sich unter Elektroautobesitzern erst noch herumsprechen, dass die einsamen Pioniertage allmählich vorbei sind und es auch andere E-Mobilisten gibt, die ganz gerne Strom ziehen würden.

Was er verbraucht: Im Schnitt konsumierte unser Zoe 15,3 kWh pro 100 km. Bei einem Strompreis von 28 Cent würden dafür also knapp 4,30 Euro anfallen. Wird ein Spritpreis von rund 1,35 Euro (E10)zugrundegelegt, so dürfte ein Benziner also nur knapp 3,2 l/100 km konsumieren, um kostentechnisch konkurrieren zu können.

Renault Zoe
Finanziell machbar: Der Einstiegspreis für den Z.E. 40 beträgt 26.100 Euro, abzugsfähig sind 5000 Euro Bonus.
© HerstellerZoomansicht

Was er bietet: Schon das Basismodell "Life" ist sehr gut ausgestattet. Serienmäßig sind etwa Geräuschsimulator (zum Fußgängerschutz), elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber, Keycard mit Zentralverriegelung, Klimaautomatik, Tempomat, Online-Infotainmentsystem, Navi, Radio, Bluetooth und programmierbare Vorklimatisierung des Innenraums. Beim "Intens" kommen unter anderem noch Einparkhilfe, Licht- und Regensensor, Rückfahrkamera, 16-Zoll-Aluräder und ein hochwertigeres Radio hinzu.

Das Navi-Kartenmaterial ist auf einer SD-Speicherkarte abgelegt, als diese einmal dem Slot entglitt, ließ sie sich nicht mehr einschieben. Die Recherche im Internet ergab, dass wir nicht allein waren mit diesem Problem. Schade, denn das Navi kann auch zu Ladestationen leiten.

Was er kostet: Als "Life" mit großem 41-kWh-Akku mindestens 26.100 Euro, als "Intens" ab 27.900 Euro. Abzugsfähig ist ein Elektrobonus in Höhe von 5000 Euro, so dass der Kunde auf einen Einstiegspreis von 21.100 Euro kommt. Hinzu muss aber noch die Batteriemiete addiert werden, je nach jährlicher Fahrleistung beträgt sie im Falle des 41-kWh-Akkus zwischen 69 und 109 Euro pro Monat.

Das Basismodell mit 22 kWh (nominell 240 km Reichweite) ist schon ab 22.100 Euro erhältlich.

In beiden Fällen kann die Batterie auch gekauft werden, sie kostet jeweils 8000 Euro.

Was wir meinen: Elektromobilität im Alltag? Geht doch! Der Renault Zoe baut Berührungsängste ab. Seinen Preis kann man sich leisten, zumal unter Abzug der Förderprämie, und die Reichweite fällt komfortabel aus. Zumindest für den, der weitestgehend auf der Kurzstrecke unterwegs ist, stellt der Franzose eine echte Alternative zum Benziner dar. Wirklich umweltfreundlich fährt er freilich nur dann, wenn Ökostrom "getankt" wird.

Ulla Ellmer

Die Daten des Renault Zoe Z.E. 40

Leistung: Dauerleistung 43 kW/65 PS,maximale Leistung 68 kW/92 PS, max. Drehmoment 220 Nm bei 250 - 3000/min, Spitze 135 km/h, Beschleunigung 0 auf 100 km/h in 13,2 sec, Normverbrauch 13,3 kWh pro 100 km, Testverbrauch 15,3 kWh pro 100 km, CO2-Emission 0 g/km, Energie-Effizienzklasse A+, Länge 4,09 m, Breite 1,73 m, Höhe 1,73 m, Kofferraum 338 - 1225 l, Leergewicht 1502 kg, zulässiges Gesamtgewicht 1965 kg, Zuladung 463 kg. Automatik, Frontantrieb. Versicherungs-Typklassen 14 (HP), 18 (TK), 19 (VK). Preis ab 26.100 Euro plus Batteriemiete (ab 69 Euro pro Monat).

 

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