Wie er aussieht: Mehr Aufsehen als der Twizy könnte wohl kein Lambo und kein Ferrari abräumen. Renault hat den Stromer mit dem treuherzigen Blick als "Leichtkraftfahrzeug", als Quad, eingestuft, und das trifft auch am ehesten zu: Ein Mittelding aus Auto und Bike. Türen gibt's nicht bzw. bloß gegen Aufpreis (590 Euro), die sind dann auch nur halbhoch und fensterlos - dafür aber spektakulär nach oben aufschwingend. Der Hartplastiklook der Fahrgastzelle sieht nicht nur vollabwaschbar aus, er muss es auch sein, das Abwehrverhalten gegen Wind und Wetter ist schließlich nur verhalten ausgeprägt. Im Fahrersitz befindet sich ein Loch, nach Wolkenbrüchen sollte das Wasser ja irgendwo ablaufen...
Wieviel Platz er hat: Der 2,30 Meter kurze Stromer packt seine beiden Insassen nicht neben-, sondern hintereinander. Auf dem in Längsrichtung verstellbaren Fahrersitz lässt sich's (abgesehen von der bocklharten Konsistenz) gut leben, hinten, na ja, lassen wir's. Statt eines Mitfahrers passt alternativ "auch ein Bierkasten" hinter den Piloten, wie ein jugendlicher Betrachter als Qualitätsmerkmal konstatiert und dabei die Transportkapazität schon weitgehend ausformuliert hat. Halt, ein 31-l-Gepäckfach gibt's außerdem, es ist abschließbar und befindet sich hinter dem Rücksitz. Es zu öffnen, war bei unserem Test-Twizy allerdings eine recht hakelige Angelegenheit.
Was er leistet: An der Hinterachse sitzt ein 18 Pferdchenstärken leistender Elektromotor. Für Energiezufuhr sorgt ein luftgekühlter Lithium-Ionen-Akku mit einer Leistung von 6,1 kWh. Alternativ gibt es auch eine auf fünf PS gedrosselte Variante; die dürfen dann schon Sechzehnjährige mit Führerschein S fahren.

Was er braucht: Einen Strompreis von rund 25 Cent pro kWh zugrundegelegt, kostet einmal "Volltanken" rund 1,53 Euro. Das dauert an der Haushaltssteckdose etwa dreieinhalb Stunden. Damit kommt der Twizy dann etwa 80 km weit. Wird er heftig gescheucht, reduziert sich diese Reichweite natürlich. Im speedtechnisch reduzierten Stadtverkehr mit seinen Stop&Go-Phasen, während denen sich das E-Gefährt durch Rekuperation wieder selbst mit Energie füttert, sind andererseits längere Distanzen möglich.
Wie er sich fährt: Es ist schon eine sehr rudimentäre Art des Fahrens, die der Twizy beschert. Fahrkomfort? Gibt's nicht. Nahezu ungefedert und somit knüppelhart rattert der Kleine über den Asphalt. Ob draußen eine Hitzewelle brütet oder die ersten Herbststürme über's Land fegen, der Twizy-Pilot kriegt's ziemlich ungefiltert mit. Das bevorzugte Revier ist die City. Da säuselt das E-Quad so lautlos dahin, dass man in bestimmten Situationen die piepsende "Twizy-Voice" bemühen sollte. Spätestens nach der Konfrontation mit einem ungnädigen Straßenbauarbeiter ("anschleichen gilt nicht") haben wir's denn brav getan. Apropos piepsen: Auch das Blinkerlein fiept so kläglich wie ein mutterloser Spatz. Eine ausgesprochene Freude ist es, beim Ampelstart den Hintermann zu versägen, der schon während der Rotphase durch zentimeterweises Heranrücken Verdrängungsansprüche geltend gemacht hat. Dank seiner elektromobil-typischen Anfahrstärke zischt der Twizy so zügig ab, dass man das ungläubige Gesicht des Dränglers zunächst einmal am rückwärtigen Horizont verblassen sieht. Oh ja, das generiert innere Zufriedenheit! Maximal schafft der Franzose Tempo 80, dann allerdings wird er ziemlich laut. Nein, lang mag man nicht mit Topspeed fahren.
Was er bietet: Airbag ja, Sicherheitsgurte ja, integrierte Kopfstützen ja, Kombiinstrument mit Ecometer ja, der Auskunft über Batteriestatus, Reichweite und Energieverbrauch gibt. ESP nein, Radio nein, Klimaanlage nein, Heizung nein. Für 129 Euro ist ein Wetterschutz für Fahrer und Beifahrer vorgesehen, auch Navi (119 Euro) oder ein Bluetooth-Freisprechsystem (259 Euro) lassen sich ordern.

Was er kostet: 6990 Euro in der gedrosselten Fünf-PS-Version, mit 18 PS ab 7690 Euro. Das Topmodell "Technic" kommt auf 8490 Euro, im Preis inbegriffen sind dann Bi-Ton-Leichtmetallräder, Metallic und ein Dach im Carbonlook. Hinzugerechnet werden muss die Batteriemiete, die von der jährlichen Fahrleistung und der Laufzeit abhängt. 50 Euro monatlich werden aber mindestens fällig.
Was wir meinen: Der Twizy ist ein Beispiel für die vielfältigen Blüten, die auf dem Nährboden der Elektromobilität gedeihen. Zu honorieren ist der Mut von Renault, so was auf den Markt zu bringen! Sinn macht das E-Quad am ehesten in der Stadt und dort als Alternative zum Zweirad. Wirklich billig ist der Twizy allerdings nicht: Legt man einen guten Tausender drauf, bekommt man beispielsweise schon die Basisversion (8890 Euro) des Skoda-Minis Citigo. Der fährt freilich nicht elektrisch. Und bekommt lange nicht so viel Aufmerksamkeit ab.
Ulla Ellmer
Leistung 13 kW/18 PS; max. Drehmoment 57 Nm; Höchstgeschwindigkeit 80 km/h; Beschleunigung 0-45 km/h 6,1 sec; Stromverbrauch/Werksangabe 6,3 kWh/100 km; Reichweite ca. 60 bis 100 km; Länge 2,30 m; Kofferraum 31 l; Leergewicht 562 kg. Preis: ab 7690 Euro.
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