
Beatty in Nevada ist ein verschlafenes Nest, 1154 Einwohner, sechs Kneipen, ein paar Motels. Touristen, die weiter ins Death Valley wollen, kommen hier eher selten vorbei, sie nutzen meist andere Routen. Dafür fallen freilich im Hochsommer, wenn das Thermometer locker die 35-Grad-Marke knackt, ganz andere "Autofahrer" hier ein. Profis aus Japan, aus England und aus good old Germany. Sie alle kommen mit mehr oder weniger beklebten und maskierten Fahrzeugen, brechen von hier aus auf ins nahe Tal des Todes, quälen dort Prototypen und seriennahe Modelle unter widrigen Bedingungen. Extrem-Tests werden hier gefahren. Man koppelt die Wagen mit schwer beladenen Hängern, versucht zu ergründen, wie die Motorkühlung auf diesen Temperaturstress reagiert und ob die Klimaanlagen der immensen Hitze gewachsen sind. Eines kann man freilich zwischen Beatty, Furnace Creek, Badwater und Devils Hole nicht - Tempo machen. "Das geht gar nicht", bestätigt Hans-Gerd Bode, PR-Chef bei Porsche. Er spricht aus eigener Erfahrung. Zu oft hat auch ihm und seinen Begleitern dort ein mit Laserpistole bewaffneter Sheriff aufgelauert. "Hochgeschwindigkeitstests", so der Firmensprecher, "sind dort überhaupt nicht möglich. Die fahren wir andernorts." Beispielsweise in Nardo.
Nardo? Nur eingefleischten Autofans vermag das etwas zu sagen. Nardo, das liegt im tiefen Süden Italiens. Auch nicht gerade ein Fleckchen Erde, wo man einen wochenlangen Urlaub verbringen möchte, aber ein Ort mit einer Besonderheit: Es gibt eine Art Oval-Rennstrecke, auf der so richtig Tempo gebolzt werden kann. "Hier können Geschwindigkeiten bis 350, 380 km/h erreicht werden", sagt Porsche- Mann Bode. So schnell zu fahren, das hat sein Unternehmen in Zukunft vor. Denn die Schwaben haben den Hochgeschwindigkeitskurs von Nardo gekauft. Als Teststrecke für die schwäbischen Boliden, sicherlich aber auch für so manchen schnellen Hirsch der VW-Konzernmarken. Dass sich Autohersteller für Tests mit noch geheimen Fahrzeugen - gemeinhin Erlkönige genannt - gerne auf geschlossene Anlagen wie Nardo zurückziehen, ist verständlich: Geheimes soll auch geheim bleiben, verborgen vor den Objektiven der Auto-Paparazzi oder zufällig anwesenden "Leser-Reportern", die den Klick ihres Lebens machen. Alle Unternehmen haben deshalb "ihre" hauseigenen Prüfstrecken. Manche davon sind riesengroß, nehmen die Fläche halber Stadtgemeinden ein, manch anderer Parcours wirkt eher bescheiden, aber dennoch tauglich. Um bei Porsche zu bleiben: Weissach ist hier die Handling-Referenzstrecke. Und, wenn's nach draußen gehen darf, schon auch mal der Nürburgring.
Volkswagen testet in Ehra-Lessien und zieht sich ansonsten ins südliche Afrika, ins östliche Sibirien oder nach Arizona zurück. BMW nutzt eine "Einfahrbahn" im Norden Münchens und das Testgelände in Miramar bei Marseille, Fiat nennt teils romantisch anmutende Strecken in Norditalien sein Eigen. Mercedes-Benz fährt zum Rollout gerne nach Malmsheim oder Papenburg, Audi hat sich in der Nachbarschaft von Ingolstadt - auf einem ehemaligen Militärübungsgelände - ein Test- Refugium aufgebaut.

Eine der bekanntesten Teststrecken ist die von Opel im hessischen Dudenhofen, nur ein paar Kilometer südlich der A3. Auch dort gibt es einen großen Rundkurs mit Steilwänden, damit ordentlich Speed gemacht werden kann. Dazwischen aber jene Marterstrecken, die für die Zuverlässigkeitserprobung unerlässlich sind. Schleuderfläche, Rüttelstrecken, Wasserdurchfahrten, Fahrbahnen mit unterschiedlichen Belägen, üble Bodenwellen, Steigungen. Solche haben, bezogen auf ein Ford-Areal, gar einer Landschaft zu einem Eigennamen verholfen. Wenn von den "Lommeler Bergen" die Rede ist, dann meint man jene künstlich angelegten Steigungs- und Gefällstrecken, die den Prüf-Parcours in Belgien (Lommel) prägen.
Japaner bauen daheim europäische Straßen nach Japanische Hersteller kreuzen mit ihren neuesten Produkten oft auf dem Nürburgring und auf deutschen Autobahnen auf, haben aber auch in ihrer Heimat groß angelegte Testgelände geschaffen. Eines davon ist Mazdas Miyoshi Proofing Ground, eineinhalb Fahrstunden von Hiroshima entfernt. Dort hat man sogar europäische Straßenbeläge nachgebaut - vom belgischen Kopfsteinpflaster bis hin zum rauen französischen Teer. Letzterer ist bei den Testfahrern besonders beliebt, er bietet hohe Reibbeiwerte, die Reifen haften besser, die Kurvengeschwindigkeiten sind höher.
Zwar lassen sich die meisten Langzeit-Tests auch auf Prüfständen "fahren" - Tests in der Halle, sozusagen. Doch so ganz ersetzen lässt sich die freie Wildbahn nicht. Ob in Miyoshi, Miramar oder aber in Malmsheim - überall wird ordentlich Gas gegeben. Experten und Testfahrer quälen und foltern die Autos, gehen dabei oft so heftig ans Werk, dass dem normalsterblichen Autokäufer das Herz bluten würde.
Und doch ist das, was bei extremer Hitze oder Kälte, bei Regen, Staub oder Schnee so passiert, letztlich für ihn, für den Kunden, gedacht: Das Produkt soll so viel aushalten, dass es im Privatgebrauch keinesfalls schlappmacht. Dass es dennoch trotz schonender Behandlung in besagter privater Fahrpraxis zu Problemen kommt, hat seinen guten Grund: Nichts, aber auch gar nichts ist so aussagekräftig wie der Feld-Test. Nämlich der in zigtausendfacher Kundenhand.
Gerhard Windpassinger
| noch vor Verkaufsstart verfügbar: Lesen Sie die Montagsausgabe schon Sonntagabend | |
| herausragende digitale Bildqualität | |
| bequeme und sichere Bezahlung über Ihren iTunes-Account | |
| mühelos und in Sekunden-schnelle geladen! |
| Die aktuellsten Forenbeiträge |
|---|
|
Re: Wen man schon mal aufräumt
von:
Tasmania_comes_back
- 23.05.13, 01:25 - 9 mal gelesen
|
|
Re (2): Es geht wieder los...
von:
Tasmania_comes_back
- 23.05.13, 01:24 - 9 mal gelesen
|
|
Re (6): @ submariner + hkn
von:
FSVBvB
- 23.05.13, 01:06 - 10 mal gelesen
|
| Zeit | Sender | Sendung |
|---|---|---|
| 02:25 | SDTV | Highlights Copa Libertadores |
| 02:35 | SKYBU | Fußball: 2. Bundesliga |
| 02:50 | SDTV | Fluminense (BRA) - Olimpia (PAR) |
| 03:00 | SKYS1 | Fußball: UEFA Champions League |
| 03:15 | SKYS2 | Golf: European Tour |