Super Bowl XLI: Chicago Bears - Indianapolis Colts 17:29
Manning hat den Ring
Chicago gewann die Platzwahl, den so genannten Coin Toss, und entschied sich dafür, zunächst den Ball zu empfangen - wohl wissend, dass man mit Devin Hester einen der gefährlichsten Kick Returner in den eigenen Reihen hat. Und der 24-Jährige machte einmal mehr seinem Ruf alle Ehre: Kick off Adam Vinatieri, Hester nimmt das Ei an der 8-Yard-Linie auf, umkurvt die Colts-Defense wie Slalomstangen und sprintet über 92 Yards bis in die Endzone: 6:0, Extrapunkt, 7:0! Erstmals wurde der Super-Bowl-Anstoß bis in die Endzone zurückgetragen. Was für ein Beginn in einem Spiel, von dem befürchtet worden war, dass es an Spannung auf dem Spielfeld mangeln könnte.
Doch nichts dergleichen. Die hoch gelobte Abwehr der Bears drückte dem Spiel weiterhin dem Stempel auf. Gleich beim ersten Drive der Colts gelang Chris Harris eine Interception an der 41-Yards-Linie in der Colts-Spielhälfte. Ein erster Rückschlag für Peyton Manning, den Spielmacher des Favoriten, der schon im AFC-Finale gegen New England (38:34) zunächst einen schweren Stand hatte. Doch Manning kam wie erwartet zurück ins Spiel, fand fortan seinen Rhythmus und seine Wide Receiver besser. Mitte des ersten Viertels gelang ihm dann der erste Tochdown-Pass. Unter Druck brachte er das Spielgerät zu Reggie Wayne, der den 53-Yard-Spielzug spielend leicht komplettieren konnte. Der Extra-Punkt misslang im Regen, es blieb beim 6:7.
Vinatieri verschießt erstmals
Überhaupt, der Regen. Er sorgte für zahlreiche technische Fehler, allein im ersten Viertel gab es vier Turnover, insgesamt acht. Chicago schlug nach Waynes Touchdown zurück. Zunächst brach Running Back Thomas Jones durch die löchrige Colts-Defense und überbrückte 52 Yards. Der Weg war bereitet für den zweiten Bears-Touchdown. Rex Grossman passte kurz auf Muhsin Muhammad - 14:6. Doch das war's mit der Bären-Offensive. Grossman und seinen Teamkollegen gelang bis zur Pause rein gar nichts mehr. Und so konnte der Favorit das Spiel bis zur Halbzeit-Show mit Prince noch umdrehen. Ein Field Goal von "Mr. Perfect" Adam Vinatieri und ein 1-Yard-Touchdown-Run von Dominic Rhodes sorgten für den 16:14-Pausenstand zu Gunsten des Teams von Tony Dungy. Drei Punkte mehr hätten es sein können, doch Vinatieri verschoss in der Schlusssekunde aus 36 Yards und ließ erstmals nach elf erfolgreichen Versuchen in den Play-offs den Kopf hängen.
Die Zahlen sprachen fast durch die Bank für die Colts im ersten Abschnitt. Zwei Beispiele: Indianapolis gelangen 14 First Downs, Chicago nur drei (!). Die Colts sammelten 257 Yards, die Bears nur 95.
Grossman versagt im Schlussviertel
Die zweite Spielhälfte war dann bei weitem nicht mehr so gespickt mit Höhepunkten. Indianapolis kontrollierte das Geschehen über weite Strecken, konnte sich jedoch nicht wie erwünscht absetzen. Obwohl Manning seine Colts zweimal bis tief in die gegnerische Hälfte führte, reichte es nur zu zwei kurzen Vinatieri-Field-Goals im dritten Viertel, die den Vorsprung auf acht Zähler anwachsen ließen (22:14). Chicago hatte in der Offensive weiterhin wenig zu bieten. Lediglich Running Back Thomas Jones (112 Yards) kämpfte sich verbissen durch die gegnerische Abwehrwand, Kicker Robbie Gould versenkte das Ei zudem aus 44 Yards zum zwischenzeitlichen 17:22.
Die Quarterbacks im Vergleich
| Name | Wurfquote | Yards | Touchdowns | Interceptions |
|---|---|---|---|---|
| Peyton Manning (IND) | 25/38 | 247 | 1 | 1 |
| Rex Grossman (CHI) | 20/28 | 165 | 1 | 2 |
Und so hoffte Chicago bis zum Beginn des vierten Viertels auf ein Comeback. Doch Rex Grossman, der im gesamten Spiel kaum gelungene Aktionen zu Stande brachte, leistete sich eine verhängnisvolle Interception. Kelvin Hayden durfte den schwach geworfenen Ball über 56 Yards bis in die Endzone zurücktragen - 29:17. Gut elf Minuten vor Schluss war eine Vorentscheidung gefallen, zumal Grossman nun kaum mehr ein Bein auf den Boden brachte und auch Colts-Safety Bob Sanders ungewollt mit einem weiten Pass bediente. Die beiden kurz hintereinander missratenen Pässe ließen viele Bears-Fans das Dolphin Stadium durchnässt und frustriert verlassen.
Für Indianapolis waren die Schlussminuten der Partie nur noch Formsache. Sicheres Laufspiel über Dominic Rhodes (113 Yards) oder Joseph Addai (77 Yards erlaufen, 66 Yards gefangen), keine riskanten Pässe mehr - Peyton Manning und sein Coach Tony Dungy blieben "auf dem Teppich" und steuerten dem zweiten Colts-Super-Bowl-Sieg nach 1970 entgegen. Auf den Spielmacher wartete nach Jahren des Hoffens und Bangens endlich der Super-Bowl-Ring und der Titel "wertvollster Spieler" in einem NFL-Finale (MVP), auf Dungy die obligatorische Erfrischungsgetränk-Dusche und - erstmals für einen dunkelhäutigen Coach - die Vince Lombardi Trophy für den NFL-Titel.
Sein Freund und Trainerkollege Lovie Smith gratulierte neidlos nach einem nur vor der Pause hochklassigen Spiel, das sein Team nach anfänglicher Dominanz am Ende verdient verlor. Dungy war sichtlich stolz bei der Siegerehrung und verkündete über Mikrofon, dass es ihm sehr viel bedeute, "der erste afro-amerikanische Coach zu sein", der den Titel gewinnen konnte. Quarterback Peyton Manning widmete seinen MVP-Titel den Teamkameraden. "Nach dem schwachen Start heute haben wir die Nerven bewahrt und sind ruhig geblieben. Wir wollten diesen Titel unbedingt holen - als Team", so der 30-Jährige.
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