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19.07.2013, 14:08

Porträt zur Walther-Bensemann-Preisverleihung 2008

Bernhard "Bert" Trautmann: Ein deutscher "Hero" auf der Insel

Der in Bremen geborene Bernd Trautmann (85) ist das Idol vieler Generationen. Als Torhüter sicherte er seinem Klub Manchester City am 5. Mai 1956 im Londoner Wembley-Stadion den Sieg in einem denkwürdigen Pokalfinale - obwohl er die letzte Viertelstunde mit einer schweren Nackenverletzung durchspielte, die erst Tage später als diagonaler Bruch des zweiten Halswirbels diagnostiziert wurde. Seitdem gilt er in England als "Hero", als Held.

Walther Bensemann-Preisträger 2008: Bernhard "Bert" Trautmann.
Walther-Bensemann-Preisträger 2008: Bernhard "Bert" Trautmann.
© picture-allianceZoomansicht

Trautmanns überragende Fähigkeiten als Torhüter wurden in einem britischen Kriegsgefangenenlager in der Nähe von Liverpool entdeckt, in das er 1945 gekommen war. Manchester City, Klub der ersten englischen Division (heute heißt sie "Premier League"), wurde auf ihn aufmerksam. Als die Klubdirektoren ihn, einen mittlerweile aus dem Lager entlassenen Deutschen, 1949 verpflichten wollten, gab es in Manchester heftige Demonstrationen. Zwei starke Fürsprecher hatte Trautmann: Dr. Alexander Altmann, den Stadt-Rabbi von Manchester, einst in Deutschland verfolgt und nach England geflohen, und Frank Swift, englische Torhüter-Legende, der gerade seine Karriere bei Manchester City beendet hatte.

Obwohl er in seiner großen Zeit als einer der besten Torhüter der Welt galt, erhielt er nie eine Berufung in die deutsche Nationalelf. Der DFB und Sepp Herberger wollten auch für ihn keine Ausnahme von der Regelung machen, dass niemand in der deutschen Nationalelf spielen durfte, der für einen ausländischen Klub tätig war. Dabei herrschte zwischen Herberger und Trautmann ein freundschaftliches Verhältnis.

Mit gebrochenem Halswirbel zum FA-Cup-Sieg: Bernhard "Bert" Trautmann.
Mit gebrochenem Halswirbel zum FA-Cup-Sieg: Bernhard "Bert" Trautmann.
© imago

Als am 1. Dezember 1954 die deutsche Nationalmannschaft zum ersten Male zu einem Länderspiel in England antrat, hatte Herberger Trautmann gebeten, ihm in London als "landeskundiger Helfer" zur Seite zu stehen. Während der WM 1966 war Trautmann auf Bitte des DFB von den englischen Organisatoren als offizieller Attaché im Quartier unserer Nationalelf abgestellt. Und 30 Jahre später, bei der EM 1996 in England, gehörte Trautmann der Delegation des DFB an.

Englands Fußballer des Jahres 1956

Durch seine Leistungen und sein Auftreten drang Trautmann schnell in die erste Garde der englischen Torhüter vor und wurde bald einer der populärsten Spieler auf der Insel. Bereits Tage vor dem denkwürdigen Cupfinale 1956 hatten ihn Englands Fußballjournalisten zum Fußballer des Jahres gewählt. Diese Ehre wurde ihm als erstem Ausländer zuteil. Das National Football Museum wählte ihn in die Hall of Fame des englischen Fußballs, die Anhänger seines Klubs wählten ihn zum besten Spieler aller Zeiten von Manchester City.

Wie kaum ein anderer trug Bernd Trautmann nach dem zweiten Weltkrieg zur Aussöhnung zwischen Briten und Deutschen bei. Die Queen ernannte ihn zum "Ehrenoffizier des Ordens des Britischen Empire". Bei ihren Deutschland-Besuchen gehört er stets zu den Gästen beim Staatsbankett. Seine Popularität in England ist nach wie vor ungebrochen. Bei Umfragen nach den bekanntesten Deutschen findet sich sein Name immer ganz vorne. Mehr noch: Selbst auf die Frage nach den populärsten Engländern fällt sein Name immer wieder - und er rangiert nicht auf den hintersten Plätzen! Aus Manchester erhält er Jahr für Jahr viele Einladungen. Zuletzt saß er beim diesjährigen UEFA-Cup-Finale auf der Ehrentribüne des Stadions in Manchester.

Trautmann
Für Manchester City 1954 am Ball: Trautmann trug wie kaum ein anderer zur Aussöhnung zwischen Briten und Deutschen bei.
© imago

Trautmann hat sich in vielfältiger Weise im Fußball engagiert. Für den DFB und das Auswärtige Amt leistete er in sieben Ländern Entwicklungshilfe. Mit der Nationalelf von Burma (heute Myanmar) qualifizierte er sich für das olympische Fußballturnier 1972 in München. In der international tätigen "Trautmann Foundation" widmete er sich jungen Menschen und weist ihnen Wege in die Zukunft. Zuletzt lebte Trautmann mit seiner Frau in der Nähe von Valencia in Spanien.

Karl-Heinz Heimann (kicker-Chefredakteur 1968 bis 1988, kicker-Herausgeber 1988 bis 2009; verstorben am 13. Juli 2010)

"Hero", Legende, Vorbild - in Deutschland und England
Trautmann: Der Feind, der zum Freund wurde
Bert Trautmann
Trautmann: Der Feind, der zum Freund wurde

Das Leben von Bert Trautmann könnte einem Hollywood-Drehbuch entspringen, doch es war schlichtweg die Realität. Während des zweiten Weltkriegs kam er als Feind und Kriegsgefangener nach England, wurde dort aber heimisch, avancierte zu einer Fußball-Legende, einem Vorbild und wurde letztlich zu einem Freund. Unvergessen das FA-Cup-Finale am 5. Mai 1956, als er sein Leben riskierte, trotz eines Halswirbelanbruches weiterspielte und am Ende mit Manchester City triumphierte. 60 Jahre ist das nun her, Grund genug, um auf Trautmanns bewegte Karriere zurückzublicken.
© Getty Images/imago

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