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11.10.2006, 18:06

Eilts: "Da sind wir klasse" - Fall Trochowski in der Diskussion

Hunt weist Rassismus-Vorwürfe zurück

Nach dem Ausscheiden in den Play-Offs zur U-21-EM 2007 in den Niederlanden kam sie wieder hoch, die Frage, ob das Glas Wasser nun halb voll oder halb leer sei. Die Fakten sprechen eine eindeutige Sprache. In zwei Spielen gegen England schaffte es die Mannschaft von Dieter Eilts nicht, ein Tor zu erzielen - in Coventry verlor sie dank Keeper Michael Rensing nur 0:1, in Leverkusen wurde sie mit 0:2 geschlagen.

Kaum zu trösten: Kapitän Stefan Kießling und Keeper Michael Rensing.
Kaum zu trösten: Kapitän Stefan Kießling und Keeper Michael Rensing.
© imagoZoomansicht

Andererseits betonte speziell Eilts, dass gerade die Nachwuchsarbeit zuletzt viele Früchte getragen habe. "Diese Niederlage sagt nichts über die Entwicklung unserer Talente aus. Was das angeht, sind wir klasse", so der 41-jährige Coach. Nachdem die deutsche Nachwuchsmannschaft im Hinspiel weit davon entfernt war, ihr Potenzial abzurufen, bescheinigte Eilts seiner Mannschaft im Rückspiel eine "exzellente Leistung mit Herz, Leidenschaft, aber ohne Glück". Spielerisch ging bei der deutschen U21 gegen die kampfstarken Engländer allerdings wenig, für die das 17-jährige Supertalent Theo Walcott vom FC Arsenal in der Schlussphase mit einem Doppelpack das EM-Ticket löste.

Müßig ist es, darüber zu diskutieren, ob die deutsche U21 mit dem zur A-Nationalelf aufgerückten Piotr Trochowski zur EM gefahren wäre. Allerdings fehlte der Hamburger Mittelfeldspieler der Eilts-Elf in beiden Spielen spürbar, da er stets den Ball fordert und gut verteilt sowie bei Standards gefährlich werden kann. "Der Zeitpunkt, Trochowski ausgerechnet vor den Play-Off-Partien hochzuziehen, war unglücklich. Wir hätten seine Qualitäten brauchen können. Er hat uns an allen Ecken und Kanten gefehlt", zeigte sich Michael Rensing vom FC Bayern sichtlich genervt.

Georgien statt England: Das Fehlen von Piotr Trochowski in der U21 sorgte für Unmut.
Georgien statt England: Das Fehlen von Piotr Trochowski in der U21 sorgte für Unmut.
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Schon im Vorfeld hatte jedoch Eilts der Abstellung von Trochowski zum Team von Bundestrainer Joachim Löw keine allzu große Gewichtung geben wollen. Auch DFB-Sportdirektor Matthias Sammer unterstreicht die Richtigkeit des Vorgehens. "Wenn sich einer im A-Team festspielen kann, muss die Chance genutzt werden. Alles andere ist indiskutabel", so Sammer, für den das individuelle Wohl eines Spielers höher zu bewerten sei als die Chance einer ganzen Mannschaft, bei einer EM weitere Erfahrungen zu sammeln.

Dass die dezimierte Mannschaft - der Dortmunder Markus Brzenska sah schon in der 14. Minute wegen einer Notbremse Rot -, nicht die nötige Ruhe entwickeln konnte, lag auch am verschossenen Elfmeter von Gonzalo Castro. Der Leverkusener vergab bei "seinem Heimspiel" in der BayArena in der 23. Minute vom Punkt. "Ich habe mich sicher gefühlt", sagte Castro.

Zuschauer bei der EM 2007 und Peking 2008

Mit der verpassten EM-Teilnahme kann sich der deutsche Nachwuchs auch nicht mehr für die Olympischen Spiele 2008 in Peking qualifizieren. "Gleich zwei bedeutende Turniere verpasst zu haben, werde ich wohl erst im nächsten Juni realisieren, wenn die EM in den Niederlanden steigt", fasste Castro den Abend frustriert zusammen.

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Im Jugendbereich steht nach der ebenso verpassten U-20-WM 2007 nun der große Umbruch an. Die Spieler der Jahrgänge 1984 und 1985 werden den Juniorenbereich verlassen. Aus den Startformationen der Englandspiele stehen nur Castro, Aaron Hunt (Werder Bremen), Eugen Polanski (Borussia Mönchengladbach) und Kevin-Prince Boateng (Hertha BSC) für die im Herbst 2007 beginnende Qualifikation zur U-21-EM 2009 zur Verfügung.

Nachspiel wegen rassistischer Schmähungen?

Abseits des sportlich hochinteressanten Vergleichs legte sich über den Klassiker allerdings ein dunkler Schatten. Wie die englische BBC berichtet, sollen deutsche U-21-Nationalspieler einzelne Gegenspieler rassistisch beleidigt haben. Die beiden dunkelhäutigen Abwehrspieler Micah Richards und Anton Ferdinand gaben an, als "monkeys" (Affen) bezeichnet worden zu sein. In den kommenden Tagen wird der englische Verband eine formale Beschwerde bei der UEFA einreichen. "Dieser Vorfall muss untersucht werden und wird gegebenenfalls Konsequenzen haben", so UEFA-Präsident Lennart Johansson.

Die UEFA will aber erst konkret Stellung beziehen, wenn sie den Bericht des tschechischen Schiedsrichters Jaroslav Jara erhalten hat. Der werde frühestens am Donnerstag eintreffen, sagte ein Sprecher.

Schwere Vorwürfe: Anton Ferdinand (li.) gab an, rassistisch beleidigt worden zu sein. Hier ist der Engländer im Wortgefecht mit dem Berliner Kevin-Prince Boateng.
Schwere Vorwürfe: Anton Ferdinand (li.) gab an, rassistisch beleidigt worden zu sein. Hier ist der Engländer im Wortgefecht mit dem Berliner Kevin-Prince Boateng.
© imago

Britsche Medien nannten konkret den Namen des Bremers Aaron Hunt, gestützt auf Fernsehbilder. Dessen Klub reagierte am Mittwochabend mit einer Pressemitteilung, in der der Sohn einer englischen Mutter die Vorwürfe zurückweist: "Ich habe keine rassistischen Ausdrücke gebraucht. Natürlich hat es in diesem Spiel von beiden Seiten einige heftige verbale Auseinandersetzungen gegeben, aber so etwas passiert in jedem Spiel."

Der DFB kündigte an, alle Vorwürfe genau zu prüfen. "Wir nehmen die Vorwürfe genauso ernst wie bei anderen Vorkommnissen dieser Art und prüfen sie deshalb auf ihren Wahrheitsgehalt", erklärte Mediendirektor Harald Stenger. Kapitän Kießling habe nach Befragen durch den DFB-Delegationsleiter Wolfgang Holzhäuser nach dem Spiel erklärt, derartige Vorfälle nicht bemerkt zu haben. Laut Stenger wurde Trainer Dieter Eilts beauftragt, die Spieler zu den Vorwürfen zu befragen. Doch auch andere Spieler, die Eilts am Mittwoch telefonisch befragte, widersprachen der englischen Version.

Vor der Partie in Leverkusen posierten beide Mannschaften gemeinsam vor einem Plakat, das sich gegen jegliche Form von Rassismus wandte.

11.10.06
 
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