kicker: Beim Vorbereitungsturnier "Efes-Cup" hat Galatasaray nicht so berauschend gespielt. Ärgert Sie das, Herr Gerets?
Erik Gerets (52): Auch ich gewinne natürlich lieber. Das Spiel gegen Rotterdam war schlecht, das gegen Besiktas schon okay.
kicker: Geht es auch bei solchen Testspielen gegen einen Istanbuler Konkurrenten ums Prestige?
Gerets: Sicherlich, die Rivalität ist immer da. Es gibt keine Geschenke. Doch zwischen Galatasaray und Besiktas geht es freundschaftlich zu. Anders als zwischen uns und Fenerbahce Istanbul.
kicker: Können Sie mit den anderen Spitzenklubs überhaupt mithalten, vor allem wenn man das Finanzbudget betrachtet?
Gerets: Ich habe immer gesagt, wir kämpfen mit ungleichen Waffen. Als ich hierherkam, wusste ich um die Problematik. Doch ich hatte gehofft, dass sie sich lösen ließe.
kicker: Mit Hasan Sas, Necati Ates, Ümit Karan und Hakan Sükür stehen bekannte türkische Stürmer im Kader. Haben Sie Schwierigkeiten, gute Ausländer zu bekommen?
Gerets: Das ist es. Die Spieler, die wir haben wollen, gehen nach England oder Spanien.
kicker: Können Sie ein relativ aktuelles Beispiel nennen?
Gerets: Ich wollte Maniche, den Portugiesen. Doch den zog es zunächst nach Russland, dann nach Spanien. Wir hatten keine Chance.
kicker: Also suchen Sie nach türkischen Talenten, gerade auch in Deutschland?
Gerets: Ja, dort spielen einige begabte Spieler. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen.
kicker: Ist der Osnabrücker Dalil Aziz einer davon?
Gerets: Ein guter linker Offensivspieler. Er war beim Probetraining, hat gegen Feyenoord den Test bestanden. Wir schauen, ob wir ihn kaufen können.
kicker: Wie beurteilen Sie das Leistungsniveau der Süper-Lig?
Gerets: In Europa gehört sie nicht zur ersten Kategorie.
kicker: Haben Sie im Meisterschaftskampf noch eine Chance?
Gerets: Ich gebe nie auf. Doch Tatsache ist, dass die Chance viel kleiner ist als im letzten Jahr.
kicker: Ist Fenerbahce überhaupt noch einzuholen?
Gerets: Es wird schwer. Sie haben sich jetzt noch mit zwei Brasilianern verstärkt - Edu und Lugano.
kicker: Hat Sie überrascht, dass Christoph Daum nach Köln gegangen ist?
Gerets: Nein. Wenn einer körperliche Probleme hat, geht er zurück in seine Heimat. Dass Daum nach Köln geht, kam für mich nicht überraschend. Nur, dass er für vier Jahre unterschrieben hat.
kicker: Ist Marcelinho für Wolfsburg der Richtige?
Gerets: Ein perfekter Fußballer, der aber kaum zu kontrollieren ist. Bei Trabzon hat er unter Wert gespielt. Mal sehen, was wird in Wolfsburg, wo sie mit dAlessandro einen ähnlichen Typen hatten und damit schlechte Erfahrungen gemacht haben.
„Und ein Engagement in Deutschland schließe ich nicht aus.“Erik Gerets
kicker: Ihr Vertrag läuft bei Galatasaray aus. Was planen Sie?
Gerets: Der Klub hätte bis Dezember die Option ziehen können. Er hat es nicht getan. Nun habe ich alle Freiheiten.
kicker: Streben Sie eine Rückkehr in die Bundesliga an?
Gerets: Sagen wir mal so: Ich weiß noch nicht, was ich tun werde. Und ein Engagement in Deutschland schließe ich nicht aus.
Interview: Hans-Günter Klemm
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