Ein Erfolg des Willens, nicht der spielerischen Brillanz. Mit einem Akteur als Leitfigur, der zuletzt kaum Akzente setzte: Jörg Böhme.
Nicht nur dessen Siegtreffer und der von ihm herausgeholte Strafstoß hoben den 33-Jährigen auf das Podest des Matchwinners. Nein, besonders das Herzblut, das der Flügelspieler investierte, begeisterte. "Das war ganz, ganz große Klasse. Ich habe selten einen Spieler gesehen, der so emotional und stark gespielt hat wie Jörg gegen Nürnberg", adelte Kapitän Mathias Hain den Auftritt Böhmes, der allerdings durch dessen überhartes Einsteigen gegen Schäfer getrübt wurde.
Böhme fast wie in besten Zeiten. Immer mit dem Mut zu riskanten Aktionen - auch wenn ihm zu Beginn einige Dinge misslangen. Böhme kämpfte, Böhme grätschte, Böhme infizierte mit seiner Leidenschaft Mitspieler und Publikum, agierte als das Bielefelder Stehaufmännchen. Geideck hatte im Trainingslager in Marienfeld auch besonders daran gearbeitet, "dass wir nach Rückschlägen nicht zusammenbrechen. Da hat Jörg mit seiner Art zu beigetragen".
So emotional Böhme 90 Minuten agierte, so nüchtern betrachtet er seine Rolle. "Es liegt an jedem selbst, was er aus seinem Spiel macht", sagt er. Seine Ansprüche als Führungsspieler musste er nicht mit Worten untermauern.
Dass Böhme überhaupt zum Helden aufstieg, hatte er allerdings Geideck zu verdanken. "Ich wollte eigentlich zur 80. Minute raus, aber der Trainer hat nicht so reagiert, wie ich wollte. Ich musste mich durchbeißen", verrät der Mittelfeldspieler, der die Arminia auf dem richtigen Weg sieht: "Wir haben in diesem Spiel dazwischen gehauen." So wie in der erfolgreichen Vorrunde.
In dieser hatte sich der DSC ein Punktepolster angesammelt, das bis zum Samstag aufgebraucht war. Auch weil die Außen nicht mehr den Druck und die Torgefahr entwickelten wie im ersten Saisonviertel, als Böhme und Jonas Kamper in neun Spielen gemeinsam elf Scorerpunkte anhäuften.
Zumindest Böhme ("Er hat schon in Cottbus 45 Minuten überragend gespielt", so Geideck) hat wohl zu alter Stärke zurückgefunden. "Er setzt sehr gut um, was wir spielen wollen, und ist auch defensiv sehr diszipliniert", lobt sein Trainer, der mit diesem Böhme ein Pfund hat, mit dem er wuchern kann. Denn nicht nur Bernd Korzynietz weiß: "Jörg ist ein positiv verrückter Typ, den die Mannschaft braucht." In der Tat: Böhme hat einen Maßstab gesetzt - auch sich selbst.
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