Bayern: Karriere mit sofortiger Wirkung beendet
Deisler hört auf
Der Mittelfeldspieler des deutschen Rekordmeisters beendet seine Karriere mit sofortiger Wirkung. Das teilte der Nationalspieler am Dienstag in München mit. Er zog damit nur elf Tage nach seinem 27. Geburtstag die Konsequenzen aus zahlreichen Verletzungen und Erkrankungen, die ihn in den vergangenen Jahren immer wieder zurückgeworfen hatten.
"Ich habe nicht mehr das richtige Vertrauen in mein Knie. Es war zuletzt für mich eine Qual", erklärte Deisler auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz der Bayern und betonte: "Das ist keine Entscheidung, die von heute auf morgen gefallen ist. Sie ist in mir gereift."
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Allerdings fügte der 27-Jährige auch an: "Dass es nicht nur an den Verletzungen, sondern auch an anderen Dingen lag, liegt doch auf der Hand."
Sein Vertrag bei den Münchenern läuft noch bis zum 30. Juni 2009. Der Verein will den Kontrakt nun ruhen lassen und damit Deisler, so Manager Uli Hoeneß "ein kleines Hintertürchen offen lassen." Hoeneß weiter: "Wir haben gekämpft um Sebastian. Er ist einer der besten Spieler, die es in Deutschland je gegeben hat. Ich habe bis zuletzt gehofft, dass das alles ein Albtraum ist." Deisler habe ihm die Entscheidung am Montagabend mitgeteilt. Hoeneß hatte in langen Gesprächen bis tief in den Abend noch versucht, Deisler umzustimmen - letztendlich vergebens.
"Ich bedaure seinen Entschluss unheimlich und bin fassungslos. Ich hatte immer gehofft, dass dies nur ein Albtraum ist. Auch die Mannschaft ist sehr geschockt", sagte Hoeneß, der nach eigenem Bekunden bis zum Schluss "alles versucht hat. Am Ende sind wir aber doch zur Erkenntnis gekommen, dass es keinen Sinn mehr macht, weiterzukämpfen. Wir haben den Kampf verloren".
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Deisler musste sich bereits fünf Knie-Operationen unterziehen und wurde im November 2003 und im Oktober 2004 stationär wegen Depressionen behandelt. Im März hatte er sich beim Vereinstraining eine Knorpelabsprengung im rechten Knie zugezogen, die ihn bis Mitte November außer Gefecht setzte. Dadurch verpasste er schon zum zweiten Mal nach 2002 eine Weltmeisterschaft. Am 13. Spieltag gab er mit einem Kurzeinsatz gegen den VfB Stuttgart sein neuerliches Comeback beim Rekordmeister und wurde in der Hinrunde noch drei Mal zur Pause eingewechselt (Notenschnitt: 3,0).
1998 feierte der einst als größtes deutsches Talent gehandelte Deisler bei Borussia Mönchengladbach sein Bundesliga-Debüt, es folgten die Stationen Hertha BSC und FC Bayern. Der Wechsel von Berlin nach München brachten Hertha 2002 eine Ablösesumme von 9,5 Millionen Euro. Er bestritt insgesamt 135 Bundesligapartien und 36 Länderspiele. Der ehemalige DFB-Teamchef Rudi Völler zeigte sich erschrocken: "Ich kann es kaum fassen. Das ist furchtbar schade, dass seine Karriere auf diese Art und Weise enden musste."
Bundestrainer Joachim Löw, der für die kommenden Jahre auf den Mittelfeldspieler gesetzt hatte, war von Deislers Entscheidung auf jeden Fall "völlig überrascht" worden. "Vor Weihnachten habe ich mit ihm noch telefoniert, da hat er einen optimistischen Eindruck hinterlassen. Man muss seine Entscheidung aber akzeptieren. Er muss auf seinen Körper hören. Er hat überragende fußballerische Fähigkeiten, aber in seiner Karriere natürlich mit Verletzungen und Krankheiten sehr, sehr viel zu tun gehabt", sagte Löw auf Anfrage des Sport-Informations-Dienstes (sid).
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