"Silenzio stampa" bei Klasnic. Im Moment möchte er zu der ganzen Situation um seine Person nichts sagen, betont ein irgendwie genervt klingender und wirkender Profi. "Ich bin halt nicht wie andere, die immer irgendwelche Aussagen machen müssen", verblüfft er mit einer Argumentation, die von ihm am allerwenigsten erwartet worden wäre. Bei Werder Bremen, wo er in dieser Spielzeit seinen Stammplatz verloren hat, was seine gegenwärtige Befindlichkeit begründet, zählt der Nationalspieler zu denjenigen, die eher ein offenes Wort führen. Nun hat er sich ein Redeverbot auferlegt. Nur so viel gibt er noch preis von seinem Innenleben: Froh sei er, dass er nun in Kroatien sei. Die Nationalelf als Ablenkung von den tristen Alltagssorgen, die ihn an der Weser eingeholt haben.
Aus und vorbei scheint es vorerst mit dem legendären "K-und-K-Sturm": Klose und Klasnic, das Tandem gehört aktuell der Vergangenheit an. Ivan, lange Zeit neben Miroslav Klose im Rang eines Unantastbaren, ist nur noch ein Stürmer unter vielen beim Vize-Meister. Zuletzt hat ihm Aaron Hunt, das Werder-Juwel, klar den Rang abgelaufen.
Klasnics Tätigkeitsnachweis liest sich entsprechend: 4,75 als Durchschnittsnote im kicker, vier Spiele in der Liga, zweimal ein-, zweimal ausgewechselt, kein Tor, kein Assist. Lediglich im Pokal traf der Torjäger von einst, der sich international noch kräftiger blamierte. 5,5 Durchschnittsnote in der Champions League bei zwei Einsätzen, nie über die volle Distanz. Ohne Erfolgserlebnis: kein Treffer, keine Vorarbeit.
Zahlen, die für sich sprechen. Klasnic kommt nicht in Tritt. Sein Glück zwischenzeitlich, dass auch die namhaften Rivalen nicht zu überzeugen wussten. Mohamed Zidan (Note 4,25, vier BL-Spiele, ein Tor) und Hugo Almeida (Note 4,13, fünf BL-Spiele, zwei Tore) schwächelten ebenfalls. Erst Hunt, der es auf eine Durchschnittsnote von 3,0 nach fünf Einsätzen sowie einem Tor und einem Assist bringt, bietet sich nun als echte Alternative zu Klose (Note 2,75, vier BL-Spiele, zwei Tore) an.
Schlechte Perspektiven für den 26-Jährigen, dessen Vertrag im Sommer ausläuft. "Vorerst kein Thema", sagt Klaus Allofs, der Manager, somit auch über Vertragsgespräche. Klasnic ließ ihn lange zappeln, als es ihm besser ging. Er pokerte, spekulierte auf die WM, kokettierte mit einem Wechsel zum HSV. Nun hat der Werder-Geschäftsführer alle Zeit der Welt. Vor der Winterpause dürfte es keinen Kontakt mit dem oftmals fahrigen und nicht gerade engagierten Angreifer geben.
Der letzte Versuch eines Gesprächs mit Klasnic: Haben Sie sich verpokert? "Bitte respektieren Sie, dass ich nichts sage", kommt die erwartete Antwort. Ivan Klasnic oder das Schweigen eines Pokerspielers.
Hans-Günther Klemm
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