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18.05.2006, 08:34

Interview der Woche mit Sergej Barbarez

"Der HSV wollte mich nie halten"

Die Entscheidung ist gefallen: Sergej Barbarez wird den HSV verlassen. Im kicker spricht der tief enttäuschte Bosnier von einer Farce, von Scheinverhandlungen und verrät, warum er nach Leverkusen geht.

Enttäuscht und traurig: Sergej Barbarez verlässt den HSV nach sechs Jahren Richtung Leverkusen.
Enttäuscht und traurig: Sergej Barbarez verlässt den HSV nach sechs Jahren Richtung Leverkusen.
© Kicker

kicker: Sie sind soeben auf Mallorca gelandet. Wie ist das Wetter auf der Insel der Deutschen?

Sergej Barbarez (34): Wunderbar.

kicker: Und wie ist bei Ihnen die Stimmung?

Barbarez: Nicht so gut wie das Wetter hier.

kicker: Heißt dies, dass die Mannschaftsfahrt ans Mittelmeer Ihre Abschiedstour beim HSV ist?

Barbarez: Ja, das kann man so sagen. Ich habe mich entschieden. Ich werde den Klub verlassen.

kicker: Wie ist die letzte Verhandlungsrunde am Dienstag mit den HSV-Verantwortlichen verlaufen?

Barbarez: Sehr enttäuschend. Es war der merkwürdigste Tag in meinem Leben. Es hat sich in meinem Körper alles bewegt. Es war so, als schwebte ich zwischen Himmel und Erde.

kicker: Was genau ist passiert?

Barbarez: Es war eine große Farce. Ich hatte neben meinem Berater diesmal eigens meine Frau mitgenommen. Die hat mir nie geglaubt, was ich über die Verhandlungen erzählt habe. Nun konnte sie sich selbst ein Bild machen und hat nur noch mit dem Kopf geschüttelt.

kicker: Klären Sie uns auf über die Verhandlungen?

Barbarez: Es waren von vornherein nur Scheinverhandlungen, ein Schauspiel für die Öffentlichkeit. Der HSV hatte nie ernsthaft im Sinn, mich zu halten.

kicker: Auch Trainer Thomas Doll nicht?

Barbarez: Ich weiß nicht, ob er zuletzt noch hundertprozentig hinter mir gestanden hat. Im Vorstand, vor allem beim Vorsitzenden Bernd Hoffmann, war dies nie der Fall.

kicker: Was verleitet Sie zu dieser Auffassung?

Barbarez: Schon beim ersten Gespräch im Dezember haben sie mir ein Angebot offeriert, das eine Frechheit gewesen ist. Kürzung des Grundgehalts um die Hälfte auf gerade mal 50 000 Euro. Ein solches Angebot ist natürlich Unsinn. Ich habe es daher mit meinem Berater Jörg Neubauer sofort abgelehnt.


Es ging nur um Eitelkeiten gewisser Personen.Barbarez


kicker: Wie ging es weiter?

Barbarez: Danach hat sich niemand mehr um mich gekümmert. Es hat keine Kontaktaufnahme mehr gegeben, was mir meine Wertschätzung schon verdeutlicht hat.

kicker: Die HSV-Chefs haben immer davon gesprochen, dass sie bis zum 15. März eine Frist gesetzt haben.

Barbarez: Was sollte dies? Ich habe das Angebot sofort abgelehnt, die Frist war überflüssig, weil auch nicht nachverhandelt worden ist. Diese Sache war nur eine Aktion für die Öffentlichkeit.

kicker: Wie ging es dann weiter?

Barbarez: Erst am Montag haben sie sich wieder bei mir gemeldet. Ich vermute, dies wäre nicht geschehen, wenn wir den zweiten Platz und damit die direkte Qualifikation für die Champions League erreicht hätten. So aber wurden sie nochmals aktiv, haben dies auch publiziert. Doch auch dies war nur eine Scheinaktion ohne ernsthaften Gehalt.

kicker: Was hat man Ihnen angeboten?

Barbarez: Ein unwesentlich verändertes Angebot, 10 000 Euro im Monat haben sie draufgelegt. Ein nicht marktgerechtes Angebot.

kicker: Wir übernehmen mal die Argumentation und Position des HSV: Der Klub sagt, Barbarez ist schon alt, kann durch Prämien viel verdienen.

Barbarez: Quatsch. Das angebotene Prämienpaket entspricht im Grunde dem Modell des Vorjahrs.

kicker: Was sagen Sie zu den Summen, die die aus Holland geholten Stars wie van der Vaart und de Jong verdienen sollen?

Barbarez: Gerade den 22-jährigen de Jong haben die Hamburger mit einem Vertrag ausgestattet, der im Vergleich zu meinem in keiner Relation steht. Da frage ich mich schon, was ich und was er bisher für den HSV geleistet haben. Wobei ich ihm persönlich trotzdem diesen Vertrag gönne.

kicker: Verraten Sie uns, wohin Sie wechseln?

Barbarez: Ich werde nach Leverkusen gehen. Die Bayer-Leute haben mir die Wertschätzung entgegen gebracht, die ich in Hamburg vermisst habe. Rudi Völler und Michael Skibbe sind zu mir nach Hause gekommen. Sie haben mir das Gefühl vermittelt, dass sie hinter mir stehen.

kicker: Was hat noch den Ausschlag für Bayer anstatt Borussia Dortmund gegeben?

Barbarez: Auch die Gespräche mit Dortmund waren positiv. Ich hätte mich nicht vor dem Schritt gescheut, nach Dortmund zurückzukehren. Die Dinge waren alle mit Michael Zorc und Bert van Marwijk besprochen, über die ich nur Gutes sagen kann.

kicker: Nachgefragt: Warum gehen Sie dennoch nach Leverkusen?

Barbarez: Es sind zwei Gründe ausschlaggebend. Zum einen kann ich sofort international spielen. Und außerdem erhalte ich in Leverkusen einen über zwei Jahre laufenden Vertrag.

kicker: Mit welchen Gefühlen verlassen Sie nun nach sechs Jahren Hamburg?

Barbarez: Ich bin tieftraurig. Ich liebe diesen Klub, ich liebe diese Stadt, ich liebe die tollen Fans des HSV. Und ich habe das Gefühl, dass es in meiner Angelegenheit nicht um sportliche Überlegungen ging, sondern nur um Eitelkeiten gewisser Personen.

kicker: Werden Sie für die Truppe auf Mallorca den Ausstand geben?

Barbarez: Der hat schon begonnen, seit dem Start in Deutschland.

Interview: Hans Günter Klemm

18.05.06
 

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