Der so sanft wirkende Schweizer will eine Mannschaft nach seinem Gusto formen - wenn möglich mit der Nagelfeile, wenn nötig mit der Axt. "Er ist niemand, der sich davor scheut, knallhart durchzugreifen", sagt Michael Preetz (39), der Leiter der Lizenzspielerabteilung. Beleg: Bei Yverdon-Sport FC tauschte Favre einst binnen sechs Monaten 14 von 18 Profis aus.
Hertha will ihm die gewünschte Radikalkur ermöglichen - und gibt Favre frisches Geld für Verstärkungen in die Hand. Der Beteiligungsausschuss stimmte in seiner Sitzung am Sonntag einer Aufstockung des Personaletats für die Saison 2007/08 um vier Millionen auf 27,7 Millionen Euro zu. Ein - bislang geheimgehaltener - Investor soll Genuss-Scheine im Wert von bis zu zehn Millionen Euro zeichnen, der Vertragsabschluss steht offenbar bevor. Allerdings handelt es sich dabei überraschend nicht um den seit Monaten vorbereiteten Deal mit der Berliner Aktiengesellschaft für Beteiligungen. Dieses Geschäft, für das die Eckdaten (Ausgabe von Genuss-Scheinen im Umfang von 25 Mio. Euro, Laufzeit sieben Jahre) bereits feststanden, entwickelte sich zuletzt zu einer Hängepartie, ist aber nicht vom Tisch.
Mit dem frischen Kapital will Favre den Kader, der mit Bastürk, Dejagah und van Burik Substanz verlor, aufpeppen. Von dem, was er bisher auf DVD und im Training sah, scheint er nicht beeindruckt. "Ich höre immer von Talenten", sagt Favre, "ich will sie aber auch sehen." Preetz kündigt "mindestens drei Neue" an, "vielleicht werden es auch mehr". Bis jetzt stieß nur Torhüter Jaroslav Drobny (27, VfL Bochum) dazu.
„Wir konzentrieren uns auf die Spieler, die mit uns in die Zukunft gehen wollen“Hertha-Manager Dieter Hoeneß
Manager Dieter Hoeneß (54) beobachtete am Samstag in Brasilien Gremio Porto Alegres linken Mittelfeldspieler Lucio (28, 0:0 beim FC Santos). Dass sich Hertha auch übers Wochenende mit van Burik ("Ich habe mir nichts vorzuwerfen") nicht über die Modalitäten der Auflösung des bis 2008 datierten Vertrages einigen konnte, hat Hoeneß fern der Heimat vernommen. "Wir wollen das so geräuschlos wie möglich abwickeln und Dick nicht beschädigen", erklärt der Manager. "Aber zuletzt tobte ein Kampf der Berater auf unserem Rücken. Unsere Nachwuchs-Spieler wurden von Karel van Burik angesprochen. Und Dick hat dabei eine Rolle gespielt. Das konnten wir nicht dulden."
Härter BSC - wer nicht mitzieht, muss gehen. Für die mit anderen Klubs flirtenden Brüder Kevin-Prince (20, FC Sevilla) und Jerome Boateng (18, HSV), die beim 3:0 in Jena verletzt fehlten, liegen keine Angebote vor. Kommen sie auf den Tisch, wird sich Hertha gesprächsbereit zeigen. "Wir konzentrieren uns auf die Spieler, die mit uns in die Zukunft gehen wollen", sagt Hoeneß. Auf der Mitgliederversammlung Mitte Mai hatte er angekündigt: "Wenn Grausamkeiten notwendig sind, schrecken wir davor nicht zurück." Allmählich wird klar, wie das gemeint war.
Steffen Rohr
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