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19.06.2007, 09:11

Bielefeld: Interview mit Neuzugang Rowen Fernandez

"Ich wäre fast gestorben"

Sein Spitzname ist "Spinne". Er ist der erste afrikanische Torhüter in der Bundesliga. Der 29-Jährige kommt von den Kaizer Chiefs aus Johannesburg und ist südafrikanischer Nationaltorhüter. Er wurde als Ersatz für Marc Ziegler verpflichtet. Doch sein Ziel ist ein Stammplatz bei Arminia Bielefeld: Rowen Fernandez hat viel zu erzählen.

"Die Spinne": Bielefelds Torhüter-Neuzugang Rowen Fernandez im Trikot der Kaizer Chiefs gegen Besiktas' Kaloglu.
"Die Spinne": Bielefelds Torhüter-Neuzugang Rowen Fernandez im Trikot der Kaizer Chiefs gegen Besiktas' Kaloglu.
© imagoZoomansicht

kicker: Hallo, Herr Fernandez

Rowen Fernandez : (antwortet auf deutsch) Hallo, wie gehts?

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kicker: Sie sprechen schon deutsch?

Fernandez : (jetzt auf englisch) Ich kann ein paar Sätze. Delron Buckley hat sie mir bei der Nationalmannschaft beigebracht.

kicker: Die Frage, die die Leute in Deutschland am meisten interessiert, lautet: Wie viele Tore wollen Sie für die Arminia schießen?

Fernandez : (lacht) Meine erste Aufgabe ist es, Tore zu verhindern. Darauf konzentriere ich mich, bevor ich über eigene Tore nachdenke. Das überlasse ich lieber meinem Landsmann Sibusiso Zuma.

kicker: Für die Kaizer Chiefs haben Sie vergangene Saison immerhin zweimal per Strafstoß getroffen.

Fernandez: Das stimmt. Die wollte ich immer schießen. Aber Ernst Middendorp, der dort 20 Monate lang mein Trainer war, war der Einzige, der gesagt hat, ich soll schießen. Den zweiten habe ich erst im Nachschuss verwandelt.

kicker: Wie würden Sie Ihr Torwartspiel beschreiben?

Fernandez: Ich bin ein moderner Torwart, spiele einfach und sicher. Ich mag es nicht wirklich, spektakulär zu fliegen. Aber es macht mir Spaß, eigene Angriffe einzuleiten.

kicker: Was Sie laut Thomas Schlieck, Arminias Torwarttrainer, mit Hand und Fuß überragend können. Woher kommt das?

Fernandez: Ich war nie Feldspieler, aber ich trainiere in jeder Einheit zehn oder 15 Minuten mit dem Fuß. Wenn man hart arbeitet, wird es besser und besser.

Für mich ist ein Traum Wirklichkeit geworden

kicker: Sie sind der erste afrikanische Torhüter in der Bundesliga.

Fernandez: Das wusste ich nicht. Das ist etwas ganz Besonderes. Ich freue mich, dass ich den Schritt nach Europa gemacht habe. Für mich ist ein Traum Wirklichkeit geworden.

kicker: Warum haben Sie sich für die Arminia entschieden?

Fernandez: Ich wollte in einer der besten Ligen der Welt spielen. Da war es eine einfache Entscheidung, die Herausforderung anzunehmen. Man braucht Herausforderungen im Leben. Für mich ist das der nächste Schritt. Auf diesem Level Woche für Woche zu spielen, macht aus mir einen besseren Torhüter.

kicker: Welche Rolle hat Ernst Middendorp bei Ihrer Entscheidung, nach Bielefeld zu wechseln, gespielt?

Fernandez: Er hat den Wechsel initiiert. Er rief mich an. Dass der Trainer mich kennt, kann helfen, aber es kann auch Extra-Druck bedeuten.

kicker: Weil es heißen könnte: Der spielt nur, weil der Trainer ihn geholt hat?

Fernandez: Die Leute würden das vielleicht sagen. Aber ich will spielen, weil ich es verdient habe, und nicht, weil ich den Trainer kenne.

kicker: Kapitän Mathias Hain war vergangene Saison die unumstrittene Nummer eins. Haben Sie Angst, in Bielefeld nur Ersatz zu sein?

Fernandez: Keiner will nur auf der Bank sitzen. Ich respektiere, was Mathias für den Klub geleistet hat, aber ich werde ihn herausfordern. Er ist ein guter Spieler. Ich hoffe, wir werden uns gegenseitig pushen, um das Beste für den Klub herauszuholen. Doch ich will spielen.

kicker: Middendorp erklärte nach Ihrer Verpflichtung: Hain geht aus der Pole-Position in die Vorbereitung.

Fernandez: Das wird auch so sein. Er war die Nummer eins, ich muss erst beweisen, warum man mich geholt hat, und dass ich die Nummer eins bin.

kicker: Falls nicht, könnten Sie Ihre gerade erlangte Position als Stammkeeper in der südafrikanischen Nationalelf verlieren?

Fernandez: Falls ich in Bielefeld nicht spiele, würde meine Position in der Nationalelf infrage gestellt. Aber darüber mache ich mir jetzt einfach keine Sorgen.

Ein Platz in der oberen Tabellenhälfte ist möglich

kicker: Mit den Kaizer Chiefs ging es immer um den Titel. Welche Ziele haben Sie mit der Arminia?

Fernandez: Wenn wir so spielen wie in der letzten Saisonphase, werden wir nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Ein Platz in der oberen Hälfte ist möglich. Vielleicht sogar im UEFA-Cup - man weiß ja nie. Ich möchte jedes Spiel gewinnen - okay, in der Bundesliga ist das schwierig.

kicker: Ihr Spitzname lautet "The Spider", die Spinne. Der hat aber nicht nur mit Ihrem Spiel zu tun.

Fernandez: Für den Namen gibt es zwei Gründe: In meinem ersten Profijahr hat unser erfahrener Torhüter gesagt, ich sehe wie ein Spinne aus. Damals hatte ich wenig Muskeln und sehr lange, dünne Arme und Beine. Der zweite Grund ist, dass ich vor fünf Jahren in meinem Garten in Benoni, östlich von Johannesburg, von einer Spinne gebissen wurde. Die Spinne war nur so groß wie ein Fingernagel, aber nach zwei Stunden war ich im Krankenhaus. Ich wäre fast gestorben. Ich bin Spiderman! Danach habe ich drei Monate gebraucht, bis ich wieder fit war.

kicker: Zu Ihrer Heimat: Südafrika hat Probleme bei der Organisation der WM 2010. Besteht die Gefahr, dass man die WM abgeben muss?

Fernandez: Ich bin sicher: Alles wird gut organisiert sein. Die Stadien sind jetzt alle im Bau. Dass wir die WM abgeben? Nein, auf keinen Fall. Ich will die WM in Südafrika, und ich will dort spielen.

kicker: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Fernandez. Und das nächste Interview führen wir auf deutsch.

Fernandez : (spricht jetzt wieder deutsch) Kein Problem! (weiter auf englisch) Einen Lieblingssatz auf deutsch für meine Freundin habe ich schon: "Hast du mich vermisst?"

Interview: Stephan von Nocks

19.06.07
 
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