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04.06.2007, 11:55

Wolfsburg: Interview mit Felix Magath

"Ich will nicht ewig so arbeiten"

Vergangene Woche unterschrieb Felix Magath (53) in Wolfsburg einen Vertrag bis 2010 mit umfassenden Vollmachten. Der Fußball-Lehrer ist Cheftrainer und Sportdirektor in Personalunion, stieg sogar auf Anhieb in die Geschäftsführung der VfL-Fußball-GmbH auf. Nun hat Magath erstmal den Transfer des Innenverteidigers Meija von Real Madrid gestoppt.

Überzeugung: "Die Möglichkeit beim VfL war für mich vom ersten Moment an attraktiv", sagt Felix Magath.
Überzeugung: "Die Möglichkeit beim VfL war für mich vom ersten Moment an attraktiv", sagt Felix Magath.
© imagoZoomansicht

kicker: Dass Sie in Wolfsburg einsteigen, hat viele überrascht. Mal ehrlich, Herr Magath, wie lange mussten Sie überlegen, ob Sie wirklich bei einem Klub mit einem solchen Graue-Maus-Image anheuern?

Felix Magath: Die Möglichkeit beim VfL war für mich vom ersten Moment an attraktiv. Denn durch die Nähe zu VW, die Anbindung an einen solchen Konzern, herrscht in Wolfsburg eine Sondersituation. Vor diesem wirtschaftlichen Hintergrund ist hier perspektivisch sehr viel möglich. Andere in der Liga wären doch froh, hätten sie unsere Möglichkeiten. Bisher scheiterte es an der Umsetzung, aber dafür bin ich ja nun da. In meinen Augen ist das Wolfsburger Modell sogar gerade sehr fortschrittlich.

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kicker: Inwiefern?

Magath: Schauen Sie nach England: Da werden ständig Klubs von Investoren übernommen. Und ich bin überzeugt, dass auch in Deutschland die Tendenz immer mehr in diese Richtung gehen wird.

kicker: Aber ist auch das Teammanager-Modell fortschrittlich? Als modern gelten doch harmonische Duos wie Heldt/Veh in Stuttgart oder die Bremer Allofs/Schaaf.

Magath: Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Dass es anders ebenso funktionieren kann, zeigt wieder der Blick nach England. Letztlich ist alles eine Frage der Organisation. Mein Eindruck war, dass in Wolfsburg die Lage zu schwierig ist, als dass man Reibungsverluste hätte verkraften können. Doch die ergeben sich nun mal, wenn zwei neue Leute ihre Meinung einbringen.

kicker: Nach Ihrer Zeit als Teammanager in Stuttgart erklärten Sie, so nicht mehr arbeiten zu wollen.

Magath: Ich war damals froh, dieser immensen Doppelbelastung zu entkommen. Und ich will auch diesmal nicht bis in alle Ewigkeit so arbeiten. Doch momentan ist es nun mal so das Beste für den Klub.

kicker: Was genau bedeutet "nicht in alle Ewigkeit"?

Magath: Ich gehe von zwei Jahren aus, bis wir hier so stabile Strukturen geschaffen haben, um auch Top-Leuten eine sportliche Perspektive zu bieten.

kicker: Sehen Sie sich dann als Sportdirektor oder als Trainer?

Magath: Darüber denke ich doch jetzt nicht nach. Ich muss daran arbeiten, in Wolfsburg die Mannschaft ins Laufen zu bringen.

kicker: Ins internationale Geschäft?

Magath: Keiner kann erwarten, dass wir gleich oben mitspielen, nur weil ich Trainer und Manager bin. Die Zielsetzung ist klar: Wir wollen unten raus.

kicker: Van Buyten, Makaay, Santa Cruz, Andreasen - welche Verstärkungen holen Sie denn nun?

Magath: Ich beschäftige mich erst mal intensiv mit den Leuten, die wir haben. Wolfsburg besitzt sowieso schon bessere Einzelspieler als etliche andere. Das Problem war: Es gab keine Truppe. Ich will eine Mannschaft formen, die kann man dann auch sinnvoll verstärken. Nur dieser Weg ist fruchtbar.

kicker: Mit Innenverteidiger Meija von Real Madrid wurde doch offenbar weitgehend Einigkeit über einen Vierjahresvertrag erzielt.

Magath: Aber ich werde so schnell sicher keinen solchen Vertrag unterschreiben. Und ich gehe mal davon aus, dass es für den VfL auch sonst keiner tut. Wir haben doch vier Leute auf der Position mit Hofland, Quiroga, Madlung und Möhrle. Da sehe ich wenig Sinn, jetzt einen spanisch sprechenden Innenverteidiger zu holen, den ich gar nicht richtig beurteilen kann. Das müsste dann schon ein Schnäppchen sein, ohne finanzielles Risiko.

kicker: Die Finanzen sind doch nicht das Problem beim Klub der unbegrenzten Möglichkeiten.

Magath: Damit werde ich aber verantwortungsvoll umgehen. Wer viele Möglichkeiten hat, der kann daraus auch viele Fehler machen. Ich will aber Fehler vermeiden, deshalb lasse ich mir bei Transfers auch Zeit. Wir haben 25 Spieler unter Vertrag, es gibt keinen Druck.

kicker: Was ist mit Stürmer Walter Pandiani? Über die Ablöse besteht mit Espanyol längst Einigkeit.

Magath: Für ihn gilt das Gleiche wie für Meija. Dass nach den Abgängen von Hanke und Klimowicz noch ein Stürmer kommt, liegt aber nahe.

kicker: Mit welchen Assistenten werden Sie zusammenarbeiten?

Magath: Auch da lasse ich mir Zeit. Alle genannten Namen sind weiterhin nichts als Spekulation.

Interview: Thiemo Müller

04.06.07
 
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