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15.03.2004, 15:08

Jung-Stars der EURO: Dmitri Sychev

Russlands Wunderkind

Schon bei der WM 2002 sorgte er als 18-Jähriger für Furore. Seither aber geriet die Karriere des Dmitri Sychev (20) ins Stocken. Nach einem glücklosen Gastspiel bei Olympique Marseille will der Techniker nun bei Lokomotive Moskau und bei der Euro 2004 den endgültigen Durchbruch schaffen.

Lässt sich auch von zwei Gegenspielern nicht aufhalten: Russlands Wunderkind Dmitri Sychev (Mitte).
Lässt sich auch von zwei Gegenspielern nicht aufhalten: Russlands Wunderkind Dmitri Sychev (Mitte).
© Kicker

Dafür, dass Dmitri Sychev erst 20 Jahre alt ist, hat er schon eine Menge erlebt. Er wurde hochgejubelt als "einer wie Owen" oder gar als "neuer Pele". Schlagzeilen machte auch der "Fall für die FIFA" als er zum Zankapfel zwischen großen Klubs wurde.

Vor allem aber feierte man ihn als "Riesentalent" und als "Wunderkind". Ihn am Ball zu sehen, ist ein Erlebnis. Vor kurzem habe ich ihn im Training länger beobachtet. Er streichelt in seinen silberfarbigen Schuhen den Ball, mal mit links, mal mit rechts (das ist sein stärkerer Fuß), geschmeidig sind seine Bewegungen, blitzschnell tritt er an und besitzt kapitale Schusskraft. Seine Aktionen sind unberechenbar. Er täuscht ein Dribbling nach rechts an, wendet urplötzlich nach links, gleich wieder nach rechts - und zwei Verteidiger liegen auf der Nase.

Sychev ist in kein Schema zu pressen. Das haben schmerzhaft schon einige Trainer erfahren. Ihm muss man Freiheiten zugestehen. Ihn "auszurechnen" fällt jedem Gegner schwer, mitunter auch den Mitspielern. Er liebt Tempospiel, weiß aber auch, in welcher Situation er den Fuß auf den Ball stellen und Ruhe ins Spiel bringen muss. Wird es zu statisch, belebt er es durch spontanes Handeln. So einer ist für den russischen Fußball Gold wert.

Als Heranwachsender spielte er meist schon in älteren Jahrgängen, mit 16 Jahren zog es ihn aus seiner sibirischen Heimat gen Westen. Er landete bei Spartak Tambow, einem Klub der 3. Liga. Sein Vater engagierte Alexej Sokolov als Agenten für seinen Sohn. "Dima", wie er gerufen wird, spielte in Metz und Nantes vor, verhandelt wurde mit einem halben Dutzend Klubs in Russland und der Ukraine. Erfolglos. Vier Mal fuhr Sokolov mit Sychev zu Spartak Moskau. Auch sie kamen nicht zusammen. Die U-17-Europameisterschaft 2000 in Israel wendete das Blatt, obwohl "Dima" als Torschütze leer ausging.


Dmitri Sychev


Nun fragten die Klubs bei ihm an. Zunächst aber scheiterte alles daran, dass Vater und Berater es ablehnten, Sychev in der Reserve spielen zu lassen. Bis Spartak Moskau ihn Anfang 2002 verpflichtete. Dann ging alles rasend schnell. Bereits in seinem zweiten Meisterschaftsspiel erzielte er zwei Tore. Sofort war er nicht nur Stammspieler, sondern Oleg Romanzew, damals in Personalunion Klub- und Nationaltrainer, setzte ihn neun Tage nach seinem Debüt in der Meisterschaft am 27. März im Länderspiel gegen Estland (1:2) ein.

Bei der WM 2002 in Japan und Südkorea war er in allen drei Spielen (2:0 gegen Tunesien, 0:1 gegen Japan, 2:3 gegen Belgien) nur Joker, belebte aber jedes Mal das lahme russische Spiel. Als einziger Gewinner kehrte er nach Moskau zurück. Er forderte mehr Geld. Verständlich. Doch Agent und Vater konnten sich mit dem neuen Herrscher bei Spartak, Andrej Chervichenko, nicht einigen. Es kam zum Bruch. Am 16. August 2002 spielte "Dima" das letzte Mal für Spartak, trat dann auf Geheiß seines Vaters und seines Agenten in den Streik.


Zitate von Dmitri Sychev


Die Folge: Vier Monate Sperre durch Klub und Verband. Er trainierte bei Dynamo Kiew, unterschrieb dort einen Vertrag, um kurz darauf auch bei Olympique Marseille das Gleiche zu tun. Wochenlang ging’s hin und her, bis Kiew die FIFA anrief. Die führte eine Einigung zwischen den Klubs herbei und Sychev durfte für Marseille spielen. Anfangs mit ansehnlichem Erfolg, schnell avancierte der flinke Stürmer zum Publikumsliebling. Doch seine Einsätze wurden spärlicher, mit Trainer Alain Perrin lag er bald über Kreuz, und Olympique, ohnehin in Geldnot, ließ ihn im Januar für rund vier Millionen Euro zu Lokomotive Moskau ziehen. Sein neuer Trainer Juri Semin ist überzeugt, mit Sychev gut zusammenarbeiten zu können. "Er passt zu uns, er verstärkt unseren jungen Angriff. Schade, dass ihn Marseille schon in der Champions League einsetzte, wir hätten ihn gut gegen Monaco gebrauchen können", so Perrin nach dem Aus im Achtelfinale der Champions League (0:1, 2:1) vergangenen Mittwoch.

Mit Ismailov, Pimenov, beide nur ein Jahr älter, und Sychev strebt Lokomotive erneut den Titel an. Mit Toren in Testspielen und im Pokal hat sich Sychev bestens eingeführt. Auch in der Nationalelf trifft er regelmäßig und ist für die EURO 2004 Russlands große Hoffnung. Hoffentlich setzt ihm sein Umfeld nicht wieder zu schnell Flöhe ins Ohr, denn selbst ein solches Talent braucht Zeit, um zu reifen.

Karl-Heinz Heimann

 

kicker

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